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Roland Gräf, Bild: DEFA-Stiftung, M. Reinhardt

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Roland Gräf (l. neben der Kamera) mit Iris Gusner (r.) bei Dreharbeiten zu "Die Taube auf dem Dach", Bild: : DEFA-Stiftung/Klaus Goldmann

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Roland Gräf

Kamera 1959

Er gehörte zu den bedeutendsten Vertretern des DEFA-Autorenfilms und prägte maßgeblich einen Kamerastil des poetischen Realismus mit, der zum wichtigen Ausdrucksmittel einer Gruppe junger Regisseure werden sollte.

1934 in Meuselbach/Thüringen geboren, absolvierte Roland Gräf zunächst eine Lehre als Industriekaufmann. Er entschied sich für den zweiten Bildungsweg und besuchte 1952-1954 die Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) Jena, die er mit dem Abitur abschloss. Als 1954 die Deutsche Hochschule für Filmkunst (heutige Filmuniversität) in Babelsberg gegründet wurde,  verwarf er seinen Studienwunsch Psychologie oder Orientalistik und beschloss,  sich dort zu bewerben. Er erhielt die Zusage für den Studiengang Kamera unter Leitung von Prof. Albert Wilkening.

Ab 1960 arbeitete Gräf im DEFA-Studio für Spielfilme. Ab Mitte der sechziger Jahre pägte er den Kamerastil eines poetischen Realismus mit, der für eine Gruppe junger Regisseure wichtiges Ausdrucksmittel ihrer Realitätserkundung war. Maßgeblich war damals Jahrgang 45 (1965), der einzige Spielfilm Jürgen Böttchers, bei dem Gräf die Bildgestaltung übernahm. Im Zusammenhang mit dem 11. Plenum des ZK der SED verboten, konnte der Film erst 1990, nach Veränderung der politischen Verhältnisse, fertiggestellt werden und seine späte Premiere feiern.

1970 gab Gräf mit Mein lieber Robinson (1970) einem Zeitporträt junger Leute sein Regiedebüt, 1975 realisierte er Bankett für Achilles (1975), eines der wenigen Arbeiterporträts der DDR. Mit seinen Filmen über die DDR-Wirklichkeit erreichte er große Aufmerksamkeit im In- und Ausland. 1978 erhielt er auf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary den Hauptpreis für seinen Film Die Flucht (1977), der sich mit einem Tabu-Thema "Republikflucht"  auseinandersetzte. Ein weiterer wichtiger Gegenwartsfilm war 1981 Märkische Forschungen nach der Erzählung von Günter de Bruyn.

In den 1980er-Jahren wandte sich Gräf mit drei Filmen Fariaho (1983), Das Haus am Fluss (1985), Fallada-Letztes Kapitel (1988) historischen Sujets zu, für die jedoch das Spannungsverhältnis zwischen Anpassung und Widerstand, das die späte DDR immer deutlicher prägte, der eigentliche Erzählgrund waren.

"Das, was wir gemacht haben, wie wir gedacht und gearbeitet haben, das ist eben eigentlich nur in den Filmen fixiert. Die Filme - gut oder schlecht - sprechen auch noch nach Jahren für sich selber, wie auch immer sie zustande gekommen sind. Die Sache selbst ist immer besser als der Dialog über sie. Und wie soll man Film mit Worten beschreiben? Über Filme muss man nicht reden, Filme muss man sehen. " Roland Gräf 2008 in einem Seminar an der HFF

Von 1985 bis zur Privatisierung des Studios und der Entlassung der künstlerischen Mitarbeiter engagierte sich im „Künstlerischen Rat“ der DEFA, der unter seinem Vorsitz in den 1980er Jahren mehrfach kulturpolitische Öffnungen angemahnt hat.

1991 nahm er mit Der Tangospieler (1990) zum dritten Mal am Berlinale-Wettbewerb teil. Für diesen Film erhielt er im selben Jahr den Bundesfilmpreis und den Hauptpreis auf dem IFF im Bergamo. 1992 realisierte Gräf den Kinofilm Die Spur des Bernsteinzimmers. Dass ihm die Finanzierung mehrerer drehreifer Bücher versagt blieb, beendete Gräfs weitere Arbeit als Filmemacher abrupt.

 Ab 1997 kehrte er zurück an seine alte Hochschule , inzwischen  HFF „Konrad Wolf“, und baute  Studiengang Medienspezifisches Schauspiel auf, den er bis 2001 leitete. Seit seiner Gründung 1998 und bis 2005 gehörte Roland Gräf als stellvertretender Vorsitzender dem Stiftungsrat der DEFA-Stiftung an.

Roland Gräf lebte in Babelsberg und im Fläming. Er starb am 11. Mai 2017 im Alter von 82 Jahren.

"Seine als Kameramann und Regisseur für die DEFA geschaffenen Filme werden als Teil des nationalen Kulturerbes unvergesslich bleiben."DEFA-Stiftung

 "Nun hat uns auch Roland Graf verlassen. Wir kannten uns seit meinem Studium an der HFF, sein Regie-Debüt „Mein liebe Robinson“ war  ein Grund dafür, dass ich meine Diplomarbeit über Filmerwartungen Jugendlicher geschrieben habe. Wir haben uns danach immer wieder auf Veranstaltungen der DEFA und des Filmverbandes getroffen. Sein Film „Märkische Forschungen“ war Gegenstand einer rezeptionssoziologischen Forschung, die ich am ZIJ in Leipzig realisiert habe, für die ich sehr viele und lange Gespräche mit Roland geführt habe. In der Wendezeit ging es uns in vielen Diskussionen um den Erhalt bewährter Strukturen der Filmproduktion und -vermittlung unter veränderten politischen und ökonomischen Strukturen. 1997 konnte ich Roland davon überzeugen, dass er der Richtige für den Aufbau eines neuen Ausbildungsstrangs in unserem Studiengang Schauspiel sei: Einer medienspezifischen Ausbildung. Es war nicht einfach für ihn, er wollte mehr Medienspezifik und weniger klassische Schauspielausbildung und er wollte mehr Kooperationen mit den anderen Studiengängen. Als er die HFF 2001 wieder verließ war „seine“ medienspezifische Ausbildung aber voll akzeptiert. Wir haben uns danach weiter regelmäßig getroffen: In Jurys von Filmfestivals, bei Veranstaltungen im Filmmuseum und natürlich auch bei Veranstaltungen der HFF. Unser letztes Gespräch im vergangenen Jahr drehte sich um Möglichkeiten einer Ausstellung seiner Fotos in der Filmuniversität, das Gespräch fand bei einem guten Glas Rotwein statt. So werde ich Roland auch in Erinnerung behalten: als guten Freund, als Berater und als stillen Genießer." Prof. Dr. Dieter Wiedemann

Zum Gedenken an Doris Borkmann (1935-2017) und Roland Gräf (1934-2017) 

Das Filmmuseum Potsdam und die Filmuniversität Babelsberg laden ein zu einer Filmveranstaltung in Zusammenarbeit mit der DEFA-Stiftung a ins Filmmuseum Potsdam. Mehr

Sonntag, 28.05.2017 um 14.30 Uhr
Sommer vorm Balkon
Einführende Worte: Peter Hartwig (Produzent, Fotograf)


Sonntag, 28.05.2017 um 17:00 Uhr
Bankett für Achilles
Einführende Worte: Ralf Schenk (DEFA-Stiftung)

Kleiner Empfang zwischen den Filmen

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam

Kartenreservierung: 0331-2718112, ticket@filmmuseum-potsdam.de

Eintritt frei


Stand vom 17.05.2017

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