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Ulrike Möntmann | TBDWBAJ/ Arbeitsprozess Ženska Kaznionica (JVA für Frauen) HR-Požega, 2009

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Cornelia Sollfrank

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Ulrike Möntmann | Detail Diagramm TBDWBAJ/ Outcast Registration, 2011

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Ulrike Möntmann | TBDWBAJ/ Intervention (links: A Wien 2009, rechts: HR Zagreb 2009)

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Cornelia Sollfrank | TroubleShooting, aus der Reihe Revisiting Feminist Art/ Performance, 2009

16. Transdisziplinäres Kolloquium, 04. Juni 2015, 17:00h, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Kino 1104:


PROF. - DR. - DR.-: Vortrag und Gespräche über Projekte, Perspektiven und Funktionen künstlerischer Forschung mit Ulrike Möntmann und Cornelia Sollfrank.

Die bildenden Künstlerinnen Ulrike Möntmann und Cornelia Sollfrank, die selbst längjährige Erfahrung im Bereich künstlerischer Forschung auch im institutionellen Kontext haben, diskutieren auf dieser Grundlage und anhand eigener Projekte über mögliche Formen der Wissensproduktion, gehen der Methodenfrage als kreativen Kern der künstlerischen Forschung nach und verorten sie als subversive und institutionskritische Praxis am Beispiel ihrer eigenen Arbeit.


Datum: 04. Juni 2015
Ort: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Kino 1104
Zeit: 17:00h
Vortrag, Gespräche, Diskussion: Ulrike Möntmann und Cornelia Sollfrank
Moderation: Hanne Seitz (FH Potsdam)

Ulrike Möntmann, ist bildende Künstlerin und hat Visuelle Kommunikation an der FH Bielefeld im Fachbereich Design und Skulptur an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam studiert.

Soziale Prozesse in äußersten Situationen bilden den Ansatz ihres künstlerischen Agierens. Seit 1997 realisierte sie mehrjährige Zusammenarbeitsprojekte mit drogenabhängigen Inhaftierten (u.a. Lücke, 1997 -1999; Kollektion Gefängnis Kleidung, 1999 - 2001), was Ausgangspunkt ihrer Outcast Registration, einer genderspezifischen Beobachtung extremer Erscheinungsformen europäischer Gesellschaften wurde. Seit 2004 realisiert sie das audiovisuelle Porträt von in Europa lebenden, drogenabhängigen Frauen in mitteleuropäischen Gefängnissen (D, NL, CH, A, HR) unter dem Titel THIS BABY DOLL WILL BE A JUNKIE (TBDWBAJ), das in Kunstinstitutionen o.g. Länder (u.a. Kunsthalle Wien) ausgestellt und als Interventionen im öffentlichen Raum partizipierender Städte stattfand.

THIS BABY DOLL WILL BE A JUNKIE (TBDWBAJ)
wird seit 2013 vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF/ PEEK) als künstlerisches Forschungsprojekt gefördert.

Neben Lehrtätigkeiten an verschiedenen Kunsthochschulen in den Niederlanden (hauptsächlich Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam), ist Ulrike Möntmann regelmäßig Gastdozentin u.a. in Wien, Zürich, Siegen.

Sie lebt und arbeitet in Amsterdam und Wien.

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Cornelia Sollfrank, ist bildende Künstlerin, studierte Malerei in München (Professor Helmut Sturm) und freie Kunst in Hamburg (Professor Bernhard Johannes Blume). Sie schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab.
Sie ist Gründungsmitglied der Künstlerinnengruppen »Frauen und Technik« (mit der sie 1992 mit dem Fernsehprojekt "Piazza Virtuale" auf der documenta IX war), Gründungsmitglied von »-Innen«, als auch von »Old Boys Network«.

Sie ist international bekannt als Pionierin der Netzkunst und Vertreterin des Cyberfeminismus. In und mit den neuen digitalen Medien erprobt sie neue Formen performativer, kollaborativer und vernetzter Autorenschaft.

Die Dekonstruktion tradierter Begriffe und Konzepte steht dabei seit Mitte der 90er Jahre im Fokus ihrer Arbeit. Mittels künstlerisch-subversiver oder auch zum Teil gender-spezifischer Strategien interveniert sie aktiv in soziale Systeme und deckt so Verhältnisse und Machtstrukturen auf, die sonst verborgen bleiben würden. So stehen z.B. Werk, Originalität, Genialität oder Autorenschaft auf dem Prüfstand und  bestehende Konventionen und damit verbundene Systeme werden um diese Begriffe in Frage gestellt. Dabei entzieht sie sich immer stumpfer Festschreibung, indem ihre Vorgehensweise zwischen Spiel, Zweckfreiheit und politischer Intention changiert.

Neben Lehrtätigkeiten an verschiedenen Hochschulen und Universitäten (Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, Universität Lüneburg, Universität Oldenburg, Bauhaus-Universität Weimar) war sie seit 2012 "Lecturer for Contemporary Art Practices, Art & Theory, and Artistic Research in the Context of New Media" am Duncan of Jordanstone College of Art and Design an der Dundee University in Schottland, UK, wo sie künstlerische PhD's betreute und 2012 selbst einen PhD mit dem Thema "Performing the Paradoxes of Intellectual Property. A practice-led Investigation into the Conflicting Relationship between Copyright and Art." absolvierte.

Von 2009-2012 war Sollfrank außerdem Mitarbeiterin von Creating Worlds, einem Forschungsprojekt des eipcp (european institute for progressive cultural policies), das die Beziehung zwischen Kunstproduktion und Wissensproduktion im Kontext der Transformation und der Krise des gegenwärtigen Kapitalismus erforschte.

Cornelia Sollfrank lebt in Celle und Berlin.

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Moderatorin Hanne Seitz:

Hanne Seitz, die zu künstlerischer Forschung arbeitet und publiziert und an der FH Potsdam lehrt, moderiert das Gespräch. Sie ist Professorin im Bereich Theorie und Praxis ästhetischer Bildung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Künstlerische Interventionen, Site-specific Art and Performance als auch Performative Research.

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Mehr Infos zu den Projekten:

Ulrike Möntmann: THIS BABY DOLL WILL BE A JUNKIE (TBDWBAJ):

Fragestellungen zu Verhaltensformen und dem damit verbundenen Handeln ziehen sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Forschungsprojekt von Ulrike Möntmann: Was bedeutet Handeln als Künstler und als Mensch, welche Erwartungen und Verantwortlichkeiten sind daran gekoppelt? Um das Thema Outcast in menschlicher Perspektive zu betrachten, stehen bei TBDWBAJ keine schockierenden, sensationellen Bilder aus dem Gefängnis und/oder von abgelebten Junkies im Vordergrund, sondern das Aufdecken und Benennen von Fakten. Es geht nicht um das Herstellen asymmetrischer Einzel-Beziehungen, sondern darum, die Option der Einmischung als (Basis–)(Kunst–)Begriff einzuführen – was Denken, Reflexion und Stellungnahme voraussetzt und einbezieht.

Kollaboration ist hierbei ein Kernelement der Vorgehensweise der Künstlerin: in Kooperation mit strafrechtlich verurteilten drogen–konsumierenden Frauen, mit Kolleg_innen, Wissenschaftler_innen und Institutionen. Im Austausch mit Spezialisten_innen werden durch sogenannte Expertentreffen Fachgebiete der Philosophie, Kunst(theorie), Psychiatrie, Soziologie, Politologie, Rechtswissenschaften betreten und Personen direkt oder indirekt miteinander in Kontakt gebracht. Das Zusammenbringen spezifischer Expertise mündet in eine Wissenszirkulation, die das TBDWBAJ Netzwerk bildet.

Seit 2011 organisiert U. Möntmann auf internationaler Ebene außerdem Komplizinnentreffen (KT), die eine Fortsetzung bzw. Vertiefung der Expertentreffen formen. Im Gegensatz zu den Expertentreffen, die als Teil der Projektausführung einem pluralistischen Austausch dienen, konzentriert sich der Diskurs der Komplizinnen auf spezifische, in enger Verbindung stehende Fachbereiche. Die ersten vier KT_art richteten sich auf die Reflexion des Projektes TBDWBAJ aus der Sicht der Philosophie, der Kunsthistorie, der Kunsttheorie und der Kunstpraxis. Seit Juni 2014 finden KT_psych mit Spezialisten der Psychiatrie/Psychologie statt. Eine weitere Reihe der KT_pol mit Soziologen/Politologen sind für dieses Jahr geplant.

Parallel dazu werden spezifische Fachinstitutionen in die Forschung eingebunden (z.Zt. das Kriminologische Forschungsinstitut in Celle, D).

Die Erkenntnisse jeder Expertenformation werden – wie bei einem Staffellauf  – weitergetragen und bilden eine dritte Ebene im Projektkonzept.

»Die Staffellauf–Vorgehensweise erfordert Offenheit, welche wichtig ist für ein politisches Agieren, wobei nicht im Vorfeld immer schon absehbar, kalkulierbar sein muss, was folgt, was das große Ziel ist..., sondern dass das gemeinsame Arbeiten oder Dranbleiben schon Teil der Kritik, der Handlung ist.« (Ruth Sonderegger, Transkript KTIII, 2013)


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