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3D / 2D Kurzspielfilm „The Squonk“

von Jannis Funk (Produktionsstudent 4. Jahr Diplom)

Beteiligte Studiengänge: Animation, Kamera/Cinematography, Regie, Montage, Film- und Fernsehproduktion, Sound, Szenografie, Filmmusik

Der folgende knappe Werkstattbericht schildert, wie wir uns entschieden haben, "The Squonk" in 3D zu drehen, welche Erkenntnisse wir aus dem Testdreh ziehen konnten und aus welchen Gründen die Produktion letztlich teilweise in 3D, teilweise in 2D gedreht wurde. "The Squonk" spielt überwiegend in einem fantastischen Märchenwald. Der Wunsch lag von Beginn an nahe, diesen Wald in 3D zu zeigen und die Märchenwelt so noch plastischer zugänglich zu machen. Da jedoch aus den bisherigen Real-3D-Hochschulprojekten "Topper gibt nicht auf" und "Der Magier" zu hören war, dass die Drehzeit sich "verdoppele" und - so Andreas Westphal im Werkstattband "s3d now!" - der Stereograf zur wichtigsten Person am Set werde. Diesem Diktat der Technik wollten wir unseren Film auf keinen Fall unterwerfen. Ein Gespräch mit dem Stereodramaturgen Prof. Ludger Pfanz von der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe überzeugte uns dann so sehr von den ästhetischen Möglichkeiten einer Umsetzung in 3D (Raum als Metapher, Idefix-Effekte), dass wir beschlossen, das Wagnis dennoch einzugehen.

Von vornherein setzten wir uns dabei von logistisch-technischer Seite aus zwei Prämissen: Die Stereo-Umsetzung sollte die Ästhetik des Films nicht diktieren, sondern sich in die übergeordnete Gestaltungsabsicht des Films einfügen und diese auf einer zusätzlichen Ebene fortschreiben. Für die Rolle des Stereografen bedeutete dies, sich als Geburtshelfer bei der Umsetzung der Regie-Vision zu verstehen, nicht als intransparentes, unabhängiges Entscheidungsorgan am Set. Die ohnehin schon lange Drehzeit von fünf Wochen für einen 20-minütigen Film sollte um nicht mehr als eine Woche verlängert werden. Um zu überprüfen, inwiefern sich diese Forderungen in die Praxis umsetzen ließen, setzten wir zusätzlich zu den VFX-Tests einen eigenen Stereo-3D-Test fünf Wochen vor Beginn der Hauptdrehphase an.

Unser dreitägiger 3D-Testdreh fand vom 3. - 5. September 2012 im Studio 2 der HFF statt, mit freundlicher Unterstützung von CHROMA Media in Hamburg und Christian Kühn als Stereografen. Unser technisches Set-Up sah wie folgt aus:

  • –  2x ARRI Alexa Plus mit Compact Primes
  • –  Stereotec Liverig (Spiegelrig) motorisiert (das HFF-eigene 3D-Rig von P+S ist für Kameras vom Gewicht
  • –  der ALEXA mit Motoren und eventuell zum Einsatz von Zooms nur bedingt geeignet)
  • –  Codex On Board als Aufnahmemedium für ARRIRAW
  • –  2 x Funkschärfe ARRI WCU-3
  • –  Stativkopf OConnor

Wir versuchten bei diesem Test, zwei Einstellungen aus dem Film mit VFX und Miniaturelementen in Stereo zu produzieren. Dabei machten wir folgende Feststellungen: Die Alexas liefern ideales Material zur Weiterverarbeitung in der Postproduktion. Von der Funktionalität des Chroma-Key-Verfahrens bei ARRIRAW-Dateien war die VFX-Abteilung begeistert. Die Funkschärfen funktionieren hervorragend. Die Synchronisation zwischen beiden Kameras funktioniert problemlos. Das Liverig bietet komfortable und vor allem schnellere Einstellungen aller 3D-Parameter. Christian Kühn als Stereograf stellte sich in den Dienst von Regie und Kamera, beantwortete bereitwillig Fragen und zeigte Möglichkeiten auf, wie deren Vision umzusetzen sei.

Die beiden Compact-Prime-Sätze der HFF passen nicht optimal zueinander - die Verzerrungen zwischen zwei Objektiven gleicher Brennweite sind so unterschiedlich, dass zusätzlich Arbeit in der Postproduktion generiert wird. Insbesondere "pumpen" beide Objektive unterschiedlich bei Schärfeverlagerungen, was sich auch am Collimator nicht ohne Weiteres beheben ließ.

Unsere projektspezifische (inhaltlich bedingte) Produktionsweise mit Naturmaterialien im Studio (Erde, echte Pflanzen) ist problematisch für das Stereorig, da der Spiegel anfällig auf Staub reagiert. Der Kamerakopf der HFF ist nur bedingt 3D-tauglich, da er das hohe Gewicht des Stereotec-Liverigs zwar trägt, sich aber während der Takes leicht verstellt, sodass die beiden Kameras nach jedem Take neu aufeinander abzustimmen sind. Dies ist ein bauartbedingtes Problem von Bowl-Köpfen, das durch einen Flat-Base-Kopf eventuell gelöst werden könnte.

Damit keine Daten verloren gehen, ist es wichtig, dass VFX- und Stereodaten wie das Regie-Script zentral erfasst und weitergegeben werden. Der zweite Kamera-Assistent war die ganze Zeit beschäftigt, ist also eine notwendige Position bei Set-Ups dieses Aufwands.

Wir haben während des Drehs aufgrund der aufwändigen VFX nur wenig geschafft (ca. 1 Einstellung je Tag). Auf die Einstellung der Stereoparameter mussten wir zu keinem Zeitpunkt warten und auch eine Änderung der Bildinhalte aufgrund von 3D-induzierten Überlegungen war nicht nötig.

Zwischen dem Testdreh und unserer Hauptdrehphase schritt die Vorbereitung aller Departments voran. Besonders frappierend war für uns eine Aussage unsers VFX-Supervisors Timor Kardum, der mit erfahrenen Compositing-Artists Rücksprache genommen hatte: Das Compositing einer 3D-Einstellung dauerte demnach etwa doppelt so lange wie das 2D-Compositing derselben Einstellung. Nachdem wir alle Einstellungen der finalen Auflösung durchgesprochen hatten, kamen wir aber schon bei einer 2DEndfertigung auf knapp 400 Compositing-Tage! Der doppelte Aufwand, zumal nur in Nuke (somit nur von Profis) und nicht im anfängerfreundlicheren After Effects zu bewältigen, erschien uns zu viel. Zudem ließ CHROMA durchblicken, dass aufgrund einer Großproduktion im Ausland weder das Stereotec Liverig noch Christian Kühn für sechs Wochen zur Verfügung stehen würden. Die Produktion eines Filmteils oder Trailers allein in 3D bei ausschließlicher 2D-Verwertung des Hauptfilms erschien jedoch niemandem ein erstrebenswertes Ziel, zumal in Hinblick auf den hochschulinternen Forschungsauftrag unseres Projektes.

Schließlich gelang es uns, mit CHROMA folgenden Deal auszuhandeln:

  • –  CHROMA stellte uns für eine Drehwoche 3D-Rig und Stereografen zur Verfügung.
  • –  CHROMA übernimmt die Postproduktion der nativ 3D gedrehten Einstellungen und Sequenzen.
  • –  CHROMA übernimmt nach abgeschlossener 2D-Postproduktion die Konvertierung des gesamten Films in 3D.
  • –  CHROMA wird an etwaigen Erlösen einer 3D-Fassung des Films prioritär beteiligt.

So gingen wir in die Planung des Hauptdrehs mit 5 Wochen 2D- und einer Woche 3D-Dreh. Unser Hauptdreh fand vom 10. 10. - 22. 11. 2012 im Atelier Ton Süd des Studio Babelsberg, im Studio 1 und Studio 2 der HFF statt. Unser Set-Up sah wie folgt aus:

  • –  2x ARRI Alexa Plus mit Alura-Zoom-Objektiven
  • –  Stereotec Liverig (Spiegelrig) motorisiert (mit einem selbstgebauten Schutzschirm gegen Staubpartikel
  • –  in den Umbauzeiten)
  • –  Codex On Board als Aufnahmemedium für ARRIRAW
  • –  2x Funkschärfe ARRI WCU-3
  • –  Stativkopf OConnor
  • –  Live-Ausspiel per Teradek CUBE auf iPads zum zentralen, aber kollaborativen Sammeln der relevanten Einstellungsdaten

Die Validität unseres Testdrehs war begrenzt. Zu unterschiedlich waren die Bedingungen im "Labor" mit 10 Leuten am Set und einer Einstellung am Tag im Vergleich zu denen einer 30-köpfigen Crew auf Produktionsgeschwindigkeit. Auch die Auswahl von Einstellungen ohne Vordergrundelemente für den Testdreh erwies sich als ungeschickt, da wir so erst beim Dreh merkten, dass andere Einstellungen (die z. B. Gras in direkter Objektivnähe vorsahen) aufgrund der physischen Beschaffenheit des 3DRigs für eine Darstellung in 3D geändert werden mussten. Solche Änderungen kosteten Zeit am Set. Das Problem des Kamerakopfes hätten wir ernster nehmen sollen: Durch die Rekalibrierung nach jeder Einstellung ging uns viel Zeit verloren, statt sechs Einstellungen schafften wir an den 3DDrehtagen zwischen zwei und vier. Von ARRI haben wir Adapter von Bowl auf Flat Base geliehen, das Instabilitätsproblem blieb aber ungelöst.
Die Alura-Zoom-Objektive sind eine gute Alternative zu den Compact Primes. Das hätte uns auffallen können, wenn wir bereits mit dem Zoom-Set-Up getestet hätten. So verloren wir wertvolle Zeit und konnten zum Beispiel fehlende Rohre erst nach dem ersten Stereo-Drehtag von extern leihen. Das System, die Daten von Regie, VFX und Stereografie zentral zu sammeln hat sich bewährt - die iPads am Set waren überdies allen Departments eine Hilfe beim Einrichten der Bilder. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die HFF über einiges Equipment für S3D-Produktionen auf internationalem Niveau verfügt, jedoch kleinere Nahtstellen in diesem Workflow (Objektive, Kamerakopf) noch nicht optimal geschlossen werden konnten, sodass die Hochschule noch nicht ohne ergänzende externe Hilfe in der Lage ist, solche Produktionen effektiv durchzuführen.

© Filmuniversität 2014


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