Eigenzeit (AT) – Versuchsanordnungen analoger Animation und ihr künstlerischer Eigenwert untersucht im Kontext historischer Fotoverfahren

Projektbeginn:
2017

Die Digitalisierung hat alle künstlerischen Fachbereiche aber besonders die Prozesse der Animation tiefgreifend verändert. Das Forschungsvorhaben von Judith Andó ist hierzu ein bewusst gesetzter Kontrapunkt und erforscht neue Animationsformen explizit mit alten Bildtechniken. Sie erprobt mit ihrem Projekt „Eigenzeit“ die Möglichkeiten und Grenzen historischer Bildgebungsverfahren der frühen Fotografiegeschichte zur Erzeugung von Bewegtbildern und Animationen. Die gelernte Filmrestauratorin untersucht dazu frühe Unikatverfahren, wie die Kollodium Nassplatte (Glasplattenfotografie) als auch moderne Abwandlungen historischer Techniken, gesammelt unter dem Begriff der „alternativen“ Fotografie-Techniken. Ihre künstlerische Untersuchung historischer Bild-Technologien zitiert Fotografiegeschichte und will historische Bildwerdungsprozesse im künstlerischen Prozess archivieren und animieren. Die Einzigartigkeit historischer Fotoästhetik soll dabei auf ihre Anwendbarkeit als künstlerisches Mittel in heutigen Animationsprozessen ausgelotet werden. Im Mittelpunkt steht für sie der genuine Eigenwert künstlerischen Ausdrucks im analogen Raum. Künstlerisches Arbeiten im realen statt digitalen Raum steht wie ein Zitat im Zentrum ihrer Untersuchung. Die Haptik als sinnliches Element künstlerischer Arbeit wird bewusst einem Arbeiten an den unantastbaren Oberflächen des Digitalen entgegengesetzt und auf seinen genuinen Eigenwert im künstlerischen Prozess überprüft. So wie Andó analoge und digitale Prozesse vergleichen wird, will sie wissenschaftliche und künstlerische Forschung im Sujet der „Pflanzenmotive“ zumindest assoziativ gegenüberstellen. Die Pflanzen sind daher in Andós Forschungslabor bewusst gesuchtes Material und wichtige Metapher zugleich: sie stehen für den Zyklus des Lebendigen, genauso wie für Zufall und Abweichung im künstlerischen Forschungsprozess und zwar in Abgrenzung zu Normen und Regeln von Logarithmen oder Wissenschaft. Andó will den Eigenwert künstlerischer Forschung im Prozess ergründen und im Werk erfahrbar machen. Andós Bildgebungsverfahren zeichnet durch Zeitraffer den Ablauf realer (Wachstums-) Bewegung auf, was eine gegensätzliche Methode zu der in der Animation gebräuchlichen synthetischen Erzeugung von Bewegung ist. Sie verzichtet aber nicht auf klassische Animations-techniken, sondern konstruiert mit verschiedenen Methoden absichtlich den künstlerischen Prozess als Begegnungsraum von Animation, Film und Fotografie, um so ihre jeweils genuine Eigenheit in Erfahrung zu bringen. Dabei macht sie den künstlerischen Prozess selbst und die Bedeutung zufälliger „Randerscheinungen“ beim Experimentieren zur künstlerischen Strategie und zum Forschungsgegenstand.

„Eigenzeit“ lotet mit künstlerischen Verfahren folgende Gegensätze sowie Möglichkeiten ihrer Vereinbarkeit aus:

*Zufall und Planung

*Entschleunigung und Effizienz

*(Al-)chemie / Wissenschaft und Ästhetik / Kunst

*Foto (Einzelbild) + Film (Bewegtbild) = Animation

*Vergänglichkeit und Ewigkeit

*Analoges und Digitales Arbeiten