Geschichte des deutschen dokumentarischen Films 1945-2005

Eine Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland von 1945 bis heute zu schreiben: An diesem anspruchsvollen Vorhaben arbeiten zur Zeit Film- und Medienwissenschaftler*innen an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, an der Universität Hamburg und am Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart.

Projektbeginn:
2009
 (öffnet Vergrößerung des Bildes)
"Gundula - Jahrgang 58“ DDR 1982, Regie: Gitta Nickel; © DEFA-Stiftung/Nico Pawloff

Eine Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland von 1945 bis heute zu schreiben: An diesem anspruchsvollen Vorhaben arbeiten zur Zeit Film- und Medienwissenschaftler*innen an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, an der Universität Hamburg und am Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart. In einem mehrjährigen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt befragen sie dokumentarfilmische Ansätze, sichten historische Filmkopien und rekonstruieren die technischen, ideologischen und sozialen Voraussetzungen, unter denen im Osten und Westen Deutschlands dokumentarische Filme entstanden - von gesundheitlichen Aufklärungsfilmen über Industriefilme und Langzeitdokumentationen bis hin zum experimentellen Essayfilm.

Das Kooperationsprojekt ist auf insgesamt acht Jahre angelegt. Das Gesamtbudget beträgt über 2,5 Mio. Euro und ist damit im Moment bundesweit das größte Projekt im Bereich Filmgeschichte.Das Projekt wird gemeinsam geleitet von Prof. Dr. Ursula von Keitz (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF), Prof. Dr. Thomas Weber (Universität Hamburg) und Dr. Kay Hoffmann vom Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms. Das Projekt schließt an das 2005 abgeschlossene Forschungsprojekt zur Dokumentarfilmgeschichte von 1985-1945 an. Ziel des Langfristvorhabens ist die systematische Erforschung und historiografische Gesamtdarstellung der Dokumentarfilmproduktion nach 1945.

Damit wird eine Forschungslücke geschlossen, denn bisher gibt es nur verschiedene Detailstudien, aber keinen Gesamtüberblick. Das Projekt folgt dabei dem Ansatz der New Film History. Im Mittelpunkt stehen nicht nur einzelne Autoren und Filme, sondern auch ihre gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Kontexte sowie die Produktionsbedingungen und -zusammenhänge. Es geht dabei um dokumentarische Filme, die eine ästhetische Gestaltung und einen gesellschaftspolitischen Anspruch erkennen lassen, der sie von der Masse standardisierter und der Tagesaktualität verpflichteter Produktionen unterscheidet. Der Begriff des Dokumentarischen und des Dokumentarfilms wie auch das Selbstverständnis von Filmemacherinnen und Filmemachern sind in dieser Periode von einem starken Wandel gekennzeichnet.

Das Forschungsprojekt umfasst folgende drei Teilprojekte:

  1. Produktions-, Distributions- und Technikgeschichte unter Leitung von Dr. Kay Hoffmann
  2. Programmatiken, Diskursgeschichte sowie Praktiken und Modi des Dokumentarfilms unter Leitung von Prof. Dr. Ursula von Keitz (Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Laura Niebling, M.A. und Inga Selck, M.A.)
  3. Analyse zentraler Themen und ihrer ästhetischen Umsetzung unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Weber

Das an der Filmuniversität angesiedelte Teilprojekt 2 zeichnet sich außerdem für die Herausgabe des ersten Bandes zur Dokumentarfilmgeschichte zwischen 1945 und 1961 verantwortlich.