Mise-en-Peau. How is This Still A Thing? – Eine multimediale Installation zum Othering in der deutschen Filmund Fernsehlandschaft

Projektbeginn:
2016

Therese Koppe, Reinaldo Almeida und Hao Dieu Do konstituieren Formate für mehr politisches Engagement in Film und Branche. Das, von ihnen mit dem IKF ins Leben gerufene, Politische Film Forum versteht sich als allgemeine Plattform, in der Filmpolitik, Politik im Film sowie Film als Politik reflektiert und diskutiert werden. Die Studierenden inzenieren mit ihrem künstlerischen Forschungsprojekt ein Fallbeispiel, das mit künstlerischen Strategien filminhärente Strukturen politischer Willensbildung und Handlung offenlegen: Eine
dokumentarische Recherche ist dabei der Ausgangspunkt für die Installation Mise-en-Peau, ein Wortspiel zum bekannten Filmbegriff der Mise-en-Scène, dem Platzieren und In-Szene-setzen von SchauspielerInnen, Licht und Szenenbild. Peau (frz. Haut) ist die konkrete, physiognomische Oberfläche, auf der noch immer Machtbeziehungen und gesellschaftliche Distinktionsverhältnisse ausgetragen werden. In vielen deutschen Film und Fernsehproduktionen scheinen ethnische Merkmale, ebenso wie Gender immer noch in engen, stereotypen Rollen verhaftet zu sein. Die Repräsentation von sogenannten Menschen mit Migrationshintergrund, teilweise von jenen schon ironisch als „Vibrationshintergrund“ (MaximGorki Theater) bezeichnet, reproduzieren zum Großteil Klischees und verbleibt in sozialen Milieus, die einer gleichwertigen Inszenierung von Diversität entgegenläuft. Das Mise-en-Peau Projekt ist eine realistische Utopie, die der Frage nach Repräsentation auf künstlerisch-aktivistischer Weise nachgehen und untersuchen soll. In  Interviews mit People Of Colour (POC) SchauspielerInnen, ProduzentInnen und RegisseurInnen sammeln sie dokumentarisch audiovisuelles Material, dass der Weiterentwicklung einer Installation dient und in Teilen in ihr verwendet wird. Entstehen soll daraus eine audiovisuelle Installation in drei Räumen, die unterbewusste Sehgewohnheiten in Frage stellt und für neue Perspektiven für Repräsentation von Minderheiten in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft sensibilisiert.

Installationsbeschreibung: Offenlegung diverser Distinktionsprozesse im Film
 

Raum 1

Die Rolle.

Welche Begriffe beschreiben eine Figur? Wie wirken diese wiederum auf die nächsten Schritte der Produktion? Wer beschreibt wen mit welcher Intention? Im ersten Raum der Installation wird die Rollenbeschreibung des Drehbuch aufgegriffen. Szenenauszüge aus deutschen Drehbüchern, historische und aktuelle Beispiele aus Film- und Fernsehen werden gezeigt, in denen Rollen von Menschen mit Migrationshintergrund beschrieben werden.

 

Raum 2

Das Casting.


Welche Prozesse führen zu einer Besetzung? In einer Casting Inszenierung werden diverse SchauspielerInnen, die für die Rolle aus Raum 1 in Frage kommen gezeigt. An welchen physiognomische Merkmalen werden Rollen verteilt? Was assoziiert man mit der Erscheinung eines Individuums und inwiefern bestimmt diese die CastingProzesse? In einer Frontalaufnahme sieht man daraufhin die SchauspielerInnen. Sie sprechen direkt an das Publikum gewandt und äußern sich zu ihren Erfahrungen des Othering. Anhand des dokumentarischen Materials aus der Recherche werden Aussagen und Erfahrungen von POC-SchauspielerInnen in die Casting-Videos eingearbeitet und gegenübergestellt.

 

Raum 3

Die Szene.

Auf einer Leinwand werden Inszenierungen projiziert, die auf die Entwicklung und Casting-Prozesse Bezug nehmen. Teilweise konterkariert die Inszenierung die Erwartungshaltung, die in den ersten Räumen aufgebaut wurde. Die Inszenierung sieht vor, Gender, ethnische als auch körperliche Stereotypen zu unterwandern. Absicht ist es diese NeuInszenierung als Installation dem Publikum zu präsentieren, als realistische Utopie, wenn die demographischen Verhätnisse in Deutschland tatsächlich Repräsentation in Film und Fernsehen finden würden. Das PFF wird dabei drei oder mehr Szenen von Deutschen Filmen neu inszenieren, um darin die Darstellungen und deren Rezeption zu analysieren. Begleitend zur Installation soll eine Publikation das Mise-en-Peau-Projekt abschließen. Grundlage für die Publikation sind die Materialien aus der dokumentarischen Recherche aus Interviews und Begegnungen mit People Of Colour (POC). In Papierform sollen Aussagen, Zitate, Bilder, Sinneszusammenhänge und Erkenntnisse festgehalten und  archiviert werden.