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Ehrendoktorwürde für Naum Kleiman

Am 24. November 2018 hat die Filmuniversität dem russischer Filmhistoriker, Publizist und Kurator Naum Kleiman die Ehrendoktorwürde verliehen.

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Kleiman gilt als einer der „bedeutendsten Verfechter der Filmkultur im heutigen Russland“. Die Urkunde wurde dem Mitbegründer und ehemaligen Leiter des Sergei-Eisenstein-Archivs im Rahmen des Workshops „Sergej Eisenstein und das Spiel der Gegenstände“ übergeben, der anlässlich des 120. Geburtstags und 70. Todestages von Sergej Eisenstein vom Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) und der DFG Kolleg-Forschergruppe “Cinepoetics – Poetologien audiovisueller Bilder” in Potsdam durchgeführt wurde.

Anlass für den Workshop war das Projekt "Eisensteins Haus", in dem die Gegenstände Eisensteins eine zentrale Rolle spielen: Nach dem Tod Eisensteins rettete seine Witwe Pera Atasheva seinen Nachlass aus der Wohnung vor dem Zugriff Stalins. Über Umwege brachte sie den größten Teil von Eisensteins Besitz in ein winziges 3-Zimmer-Apartment im Zentrum Moskaus. Dort versuchte sie, die Einrichtung von Eisensteins letzter Wohnung zu rekonstruieren. Das auf diese Weise entstandene "Eisenstein-Kabinett" beherbergte u.a. Eisensteins Bibliothek, seine Manuskripte und Niederschriften zu Filmen, Erinnerungsstücke von Dreharbeiten, seine Spielfiguren-Sammlung sowie zahlreiche Autographen. Naum Kleiman hat über Jahrzehnte hinweg aus der Wohnung ein Zentrum des Austausches und der Forschung über Eisenstein gemacht. Im Zuge der politisch bedingten Demontage des Moskauer Filmmuseums, zu dem das Eisenstein-Kabinett offiziell gehört, wird die Wohnung derzeit aufgelöst. Von Seiten der neuen Museumsleitung ist eine Überführung in ein noch unfertiges Moskauer Museumsgebäude geplant. Die Zukunft der Bestände ist unklar. Eine Gruppe von Wissenschaftler*innen, Filmemacher*innen und IT-SpezialistInen hat im Januar 2018 unter Leitung von Naum Kleiman und Tatiana Brandrup damit begonnen, den drohenden Verlust dieses lebendigen Ortes der Eisenstein-Forschung und künstlerischen Reflexion durch die Entwicklung einer international ausgerichteten Online-Plattform zu kompensieren. Wie im Eisenstein-Kabinett soll eine Rekonstruktion seiner Wohnung erfolgen. Die Plattform soll ein Instrument der Forschung sein – u.a. ein Mittel zur Visualisierung der Verbindung künstlerischer und theoretischer Denkmuster Eisensteins. Über eine virtuelle Biblio- und Mediathek, einen Blog und ein Online-Journal sollen Zugänge zum aktuellen Stand der Forschung ermöglicht werden. Vor allem aber sollen die Besucher*innen am Beispiel einzelner Gegenstände aus seinem Nachlass anschaulich mit der Welt Sergei Eisensteins bekannt gemacht werden. Der Schwerpunkt der Projektpräsentation wird auf einem ersten Erzählstrang der Plattform liegen, der vom ersten Internationalen Kongress des Unabhängigen Films, 1929 im schweizerischen La Sarraz erzählen wird.

„Die aktive Zusammenarbeit Naum Kleimans mit Kolleg*innen und Studierenden der Filmuniversität am Projekt „Eisenstein's House“ seit Januar dieses Jahres war für alle Beteiligten eine Ehre und eine unschätzbare Quelle der Einsichten und Inspiration, sein Wissen und seine Ideen, sein Humor und seine Freundlichkeit eine Bereicherung. Durch seine Beteiligung an diesem Projekt hat Naum Kleiman einen Großteil seines Erbes in die Hände der Filmuniversität gegeben. In Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, aber auch mit größter Freude und größter Dankbarkeit für das Vertrauen, dass er unserer Institution entgegengebrachte, hat der Lenkungsausschuss der Filmuniversität beschlossen, ihm den Grad "Doctor honoris causa" zu verleihen,“ so Filmuni-Präsidentin Prof. Dr. Susanne Stürmer. Zu ihrer Rede anlässlich der Verleihung geht es hier.