14. TDK "Eine noetische Wende: von einer sprach- zu einer werkzeugbasierten Kultur" mit Prof. Dr. h.c. mult. PETER WEIBEL

Datum / Dauer:
08. December 2014
Time:
18:00

, 08. Dezember 2014 in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund, Berlin

Der Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund Staatssekretär Thomas Kralinski und die Präsidentin der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF Prof. Dr. Susanne Stürmer luden ein: anlässlich der Universitätswerdung und im Rahmen der Transdisziplinären Kolloquien des Instituts für Künstlerische Forschung (IKF) zum Vortrag von Prof. Dr. h.c. mult. Peter Weibel, ZKM Karlsruhe / Universität für angewandte Kunst Wien.


EINE NOETISCHE WENDE: VON EINER SPRACH- ZU EINER WERKZEUGBASIERTEN KULTUR. Ein Vortrag von Peter Weibel.
 

Begrüßung: Staatssekretär Thomas Kralinski

Grußwort: Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
 

Einführung: Frank Geßner, Künstler und Professor für Theorie und Praxis der Bildkunst an der Filmuniversität


Datum: Montag, 8. Dezember 2014
Uhrzeit: 18:00h (Einlass: 17:30h)
Veranstaltungsort: Landesvertretung Brandenburg beim Bund, In den Ministergärten 3, 10117 Berlin 

 

Peter Weibel:

„Theoretiker argumentieren mit dem Film als Sprache. Was ist mit der Sprache des Filmes gemeint? Niemand definiert Sprache als bloßes Reproduktionsmedium, sondern Sprache wird verstanden als kommunikatives Medium, als performatives Medium, als Medium der Welterklärung und Welterzeugung. In der Bibel heißt es "Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht". Und noch im 20. Jahrhundert schreibt Ludwig Wittgenstein "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt" (TLP). Film hingegen wird als bloßes Bildmedium definiert, dabei setzt die kinematographische Imagination, wie jede Technik, die Arbeit der Schrift fort und ist somit ein neues Medium der Welterklärung und -erzeugung. Seit Jahrtausenden haben wir neue Werkzeuge der Weltveränderung entwickelt, von den Maschinen zu den Medien. Die Medien definieren das Verhältnis der Sinnesorgane zueinander neu, aber auch die Beziehung der Sinnesorgane zur natürlichen Umwelt. Das Auge ist die Antwort der Evolution auf die Sonnenstrahlen, die Lunge ist die Antwort der Evolution auf die Atmosphäre. Die Natur hat uns aber nicht mit Organen ausgestattet, um elektromagnetische Wellen zu empfangen oder zu senden. Erst vom Menschen geschaffene "künstliche Organe", wie Radio und Fernsehen, haben es uns ermöglicht, die existierenden elektromagnetischen Wellen zu nutzen. Die Medien eröffnen uns also neue Horizonte und Zugang zu Welten, die über die Grenzen der natürlichen Sinnesorgane und der Sprache hinausgehen. Wie hat diese neue Kultur der audiovisuellen Werkzeuge die Welt verändert?“, Peter Weibel.

Peter Weibel, 1944 in Odessa geboren, studierte Literatur, Medizin, Logik, Philosophie und Film in Paris und Wien. Durch seine vielfältigen Aktivitäten als Künstler, Kurator, Theoretiker und Lehrer gilt er als die zentrale Figur der europäischen Medienkunst. Seit 1984 Professor an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, 1984-1989 Professor für Video und Digitale Kunst am Center for Media Study an der State University of New York in Buffalo. 1989-1995 leitete Peter Weibel das Institut für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt. 1986-1995 künstlerischer Leiter der Ars Electronica in Linz, 1993-1999 Österreichs Kommissär der Biennale von Venedig. Seit 1999 Vorstand des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe. 2008 künstlerischer Leiter der Biennale von Sevilla (Biacs3). 2011 künstlerischer Direktor der 4. Moskau Biennale für zeitgenössische Kunst. 2014 erhielt er den Oskar-Kokoschka-Preis. Ab 2015 kuratiert er die lichtsicht 5 –  Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde.