Film und Museum

Passage durch eine Beziehungsgeschichte

Datum / Dauer:
04. April - 13. May 2018
Location:
Zeughauskino
Unter den Linden 2
10117 Berlin

Was geschieht, wenn das Medium der Masse die bildungsbürgerliche Institution par excellence aufsucht, wenn die Kamera zum Ausstellungs- und Museumsführer wird?

Seit den 1960er Jahren verlassen künstlerisch ambitionierte Filme das Kino und migrieren ins Museum, um dort neue Räume und Displays zu erobern. Nicht minder auffällig ist jedoch die umgekehrte Marschrichtung: Filme wenden sich dem Museum zu.

Die filmhistorische Reihe Film und Museum widmet sich einer Beziehungsgeschichte, die von inniger Umarmung bis spöttischer Abwehr reicht. Dabei setzen Filme häufig am historischen Auftrag des Museums, Objekte zugänglich zu machen und Wissen zu vermitteln, an. Sie vermögen dem Zuschauer Bereiche zu erschließen, die sonst verborgen und unsichtbar bleiben: In einer Großaufnahme werden mit bloßem Auge nicht wahrnehmbare Texturen eines Gemäldes sichtbar; ein Blick hinter die Kulissen führt in Depots, Restaurierungswerkstätte und Besprechungsräume; kostbare Schätze und traditionsreiche, labyrinthische Museumsbauten werden aufwendig in Szene gesetzt.

Doch äußert der Film auch offen Kritik am Museum. Skeptisch beäugt er museale Traditionen und Konventionen. Er lässt seine Figuren mit dem strengen Verhaltenskodex – dem langsamen Schreiten, Flüstern, Abstandhalten – brechen, parodiert die manierierte, im Museum gebräuchliche Sprache. Er problematisiert den Objektfetischismus und Ewigkeitsanspruch, stielt und fälscht Exponate und bringt von Zeit zu Zeit ganze Arsenale zum Einsturz. Nicht zuletzt versetzt er das Museum, in dem die Zeit still zu stehen scheint, wieder in Bewegung. Er lässt es zum Ort der Begegnung, des Wandels, des Verbrechens und der Zuflucht werden. In einer vom Museum nicht zu erreichenden Unmittelbarkeit verlebendigt er Geschichte, Exponate werden zu neuem Leben erweckt.

Die Retrospektive Film und Museum bringt die unterschiedlichsten Facetten einer spannungsreichen Beziehungsgeschichte zusammen. Sie lädt dazu ein, die Bilder und Erzählungen zu erkunden, die die Filmgeschichte über das Museum bereithält – eine Filmreihe, die im Kino des Deutschen Historischen Museums am rechten Ort ist.

Kuratiert wurde die Filmreihe von Anna Heizmann im Rahmen ihres Masterstudiums in Filmkulturerbe an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.