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moving history – Festival des historischen Films

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL VON Caroline Link gewinnt die CLIO 2020 – Preis für den besten Film zu einem historischen Thema

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Anna (Riva Krymalowski) © Frédéric Batier/Sommerhaus/Warner

Caroline Links ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL gewinnt die CLIO 2020 - Preis für den besten Film zu einem historischen Thema.  Bereits zum dritten Mal wird damit in diesem Jahr ein herausragendes Werk der aktuellen Filmproduktion zu einem historischen Thema von moving history - Festival des historischen FilmsPotsdam mit der CLIO ausgezeichnet. Der Filmpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom Filmpark Babelsberg gestiftet. Die feierliche Preisverleihung findet in diesem Jahr online statt: Am Samstag, 12. Dezember 2020 ab 12:00 Uhr wird das Online-Angebot auf der Website des Festivals www.moving-history.de zur Verfügung gestellt.

Die Preisträgerin Caroline Link und die Laudatorin, die US-amerikanische Philosophin Susan Neiman (Direktorin des Einstein Forum in Potsdam) werden per Video ein Gespräch über den Gewinnerfilm führen. Auch das Video-Grußwort von Noosha Aubel, Beigeordnete Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Landeshauptstadt Potsdam wird online zur Verfügung stehen.

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL (D/CH 2019, Spielfilm, 119 Min.)
Regie: Caroline Link | Drehbuch: Caroline Link, Anna Brüggemann nach der gleichnamigen Vorlage von Judith Kerr (1971) | Kamera: Bella Halben | Schnitt: Patricia Rommel | Musik: Hauschka | mit: Riva Krymalowski, Marinus Hohmann, Carla Juri, Oliver Masucci | Produktion: Jochen Laube, Fabian Maubach und Clementina Hegewisch für Sommerhaus Filmproduktion GmbH (Ludwigsburg). FIlmuni-Alumna Sophie Cocco war als Line Producerin im Team.

Anna ist erst neun Jahre alt, als sich ihr Leben von Grund auf ändert: Um den Nazis zu entkommen, muss ihr Vater nach Zürich fliehen; seine Familie folgt ihm kurze Zeit später. Anna lässt alles zurück, auch ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen, und muss sich in der Fremde einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen. Eine berührende Geschichte über Zusammenhalt, Zuversicht und darüber, was es heißt, eine Familie zu sein einfühlsam inszeniert von Oscar-Preisträgerin Caroline Link.

So begründet die Jury Ihre Entscheidung für die CLIO 2020:
Die Verfolgung der europäischen Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus war im Film und Fernsehen der Nachkriegszeit zunächst allenfalls ein randständiges Thema. Mit der zunehmenden Konjunktur seit den 1970er Jahren ging dann allerdings auch ein Prozess einher, den man als Ikonisierung und Stereotypisierung charakterisieren könnte: Jeder kennt die dokumentarischen und inszenierten Bilder von Massenaufmärschen, fanatischen Nazis, marodierenden SA-Trupps und psychopathisch überzeichneten SS-Männern – ganz zu schweigen von den verbreiteten »Ikonen der Vernichtung« (Cornelia Brink) wie etwa dem Tor von Auschwitz. Diese Bilder sind heute häufig Teil von Überwältigungsdramaturgien, die kaum Raum für eine reflexive Auseinandersetzung mit Geschichte lassen.
Nichts davon findet sich in Caroline Links Verfilmung von Judith Kerrs autobiographischem Roman ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL. Stattdessen sehen wir vor allem zu Anfang Bilder wie aus einer Urlaubsidylle, und die Verleiher von Nazi-Uniformen haben an diesem Film garantiert keinen Cent verdient. All das, was in der visuellen Erinnerungskultur von heute die Zeit des Nationalsozialismus ausmacht, fehlt. Damit einher geht die Abwesenheit von emotionaler Überwältigung. Unrecht und Gefahr, Verfolgung und Angst bestimmen stets die Realität der Familie, aber sie bleiben mehr oder minder latent, was sie eher noch wirkungsvoller macht, und sie werden zudem durch die kindliche Perspektive gebrochen. 
Letztere ist auch dafür verantwortlich, dass ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL ein Familienfilm im besten Sinne ist, nämlich ein Film für Erwachsene und Kinder, der sich trotzdem nicht in Harmlosigkeit verliert. Vielmehr leistet er historische Aufklärung gerade auch für Kinder und Jugendliche. Was Flucht und Exil bedeuten, der Verlust von Zugehörigkeit, Sicherheit und Unbeschwertheit, wird hier auch für jene greifbar, für die Politik und Geschichte noch eher abstrakte Größen sind. Geschichte wird so nahbar: Sie erscheint viel weniger als abgeschlossene, »dunkle« Vergangenheit einer überwundenen Epoche, denn als Normalität, die jeden treffen kann und die für Flüchtlinge auch in der Gegenwart bittere Realität ist.
Überzeugt hat die Jury nicht nur, wie stimmig all dies auf ästhetischer und dramaturgischer Ebene umgesetzt ist. Beeindruckt hat uns auch der Mut, sich bei diesem schwierigen Thema den etablierten diskursiven Mustern und damit eben auch dem Mainstream gesellschaftlicher Erwartungen und Vermarktungslogiken zu entziehen. 

moving history ist eine Veranstaltung des moving history – Festival des historischen FilmsPotsdame.V. in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Partner sind das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), das Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) und das Filmmuseum Potsdam. Der Filmpreis CLIO wird vom Filmpark Babelsberg gestiftet.

Alle weiteren Informationen zu moving history finden Sie unter:
moving-history.de
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