Filmuni-News

Nachwuchsqualifizierung für Virtuelle Sets

Babelsberg ist nicht nur Standort für Europas erstes virtuelles Studio, jetzt werden auch Studierende für den Umgang und die Erforschung der Technik qualifiziert, um als Fachkräfte von Morgen das neue Produktionsformat künftig kreativ zu bespielen und weiter zu entwickeln.

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v. l. n. r. Branford Meentzen & Konrad Waldmann in der Halostage ©Henry F. Bock

Der Unterhaltungsriese Disney hat mit "The Mandalorian" ganz neue Maßstäbe für Filmproduktion gesetzt. Gedreht wurde in einem virtuellen Set, einem komplett aus LED-Screens bestehenden Studio, das mit realen Elementen aus dem Kulissenbau angereichert wurde, sodass reale und digitale Welt nahtlos ineinander übergehen. Bereits während des Drehs wird die Kulisse auf diese überdimensionalen Bildschirme gelegt - nicht jedoch als bereits vorgedrehter Filmausschnitt, wie bei einer klassischen Rückprojektion: Eine ursprünglich für Computerspiele entwickelte Technik projiziert hochqualitative Computer-Grafiken, die während des Drehs in Echtzeit berechnet werden. Die Bilder auf der LED-Wand reagieren direkt auf die Bewegungen der Kamera und passen die erforderliche Perspektive sofort an. Im Gegensatz zum Green Screen können die Schauspieler*innen so unmittelbar mit einer sichtbaren Umgebung interagieren und z.B. auch gleich in einem realistischen bzw. gewünschten Lichtsetting aufgenommen werden.
Diese Technik offenbart erzählerisch aber auch budgetär vielfältige Möglichkeiten. Auch in Fragen der Nachhaltigkeit, bzw. des CO2-Fußabdrucks von Filmproduktionen können klug geplante virtuelle Produktionen einen wertvollen Beitrag leisten. In Potsdam-Babelsberg hat man die Chance und das Potenzial für den Standort erkannt und inzwischen wurden dort zwei große LED-Studios eröffnet. Die „Halostage“, Kooperationspartnerin der Filmuniversität, bietet dabei z.B. eine für vielfältige Drehsituationen flexibel konfigurierbare LED-Großleinwand und deckt mit ihren Partnern Kamera Ludwig, LAVAlabs und ICT sämtliche Themen der Hardware und Workflows im Bereich Virtual Production ab. Die Herausforderung besteht nun in der gemeinsamen Ausbildung des zukünftigen Fachpersonals, denn für nahezu alle filmischen Gewerke bringt dieses neue Produktionsformat Veränderungen in Planung und Vorgehensweise mit sich.
Genau hier setzten die Filmuniversität und Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) mit einer gemeinsamen Lehrveranstaltung an. In Zusammenarbeit mit der ICT AG/Halostage und dem Studio Babelsberg realisieren sie die Produktion "Der Turm (AT)" von Branford Meentzen (B.A. Szenographie) und Lilli Moors (B.A. Regie) im neuen virtuellen Studio. Zusätzlich sollen weitere Produktionsvarianten und kurze experimentelle Szenen im selben Set entstehen. Ziel des anspruchsvollen Lehrprojekts ist dabei nicht nur, frühzeitig künstlerische und technologische Exzellenz in den filmischen Gewerken mit Kompetenzen im Umgang mit Realtime-Engines zu verbinden, sondern auch praxisorientiert zu forschen, um auf die rasante Entwicklung der Virtual Production Workflows und Technologien proaktiv reagieren zu können.

„Die Stärken der beiden Hochschulen ergänzen sich in diesem Themenfeld hervorragend. Das hochschulübergreifende Team ist bereits wunderbar zusammengewachsen und nicht zuletzt sammeln die Studierenden so Erfahrungen für die Online-Zusammenarbeit in komplexen digitalen Filmprojekten“, erläutern die beiden Initiatoren der Lehrveranstaltung, Prof. Björn Stockleben (Emerging Media Production, Filmuniversität) und Prof. Jan Adamczyk (VFX, Hochschule der Medien). Fachlich begleitet wird das hochschulübergreifende Team seitens der Filmuni darüber hinaus von Knuth Möde (VFX), Prof. Agi Dawaachu (Szenografie) und Christian Möller (Cinematography) sowie von Prof. Jan Fröhlich (Motion Picture Engineering) von der HdM Stuttgart. Der Dreh im Dezember wird zeitweise als „Open Studio“ gestaltet, so dass zu bestimmten Zeiten auch weitere Studierende über die Kursgruppe hinaus das Set besichtigen und die Technik kennenlernen können.

Armi Salli in der Halostage ©Henry F. Bock