Alumni-News

Tom Zickler ist tot

Unser Alumnus starb gestern im Alter von 55 Jahren.

Thomas "Tom" Zickler, Jahrgang 1964, war einer der renommiertesten deutschen Filmproduzenten. Zusammen mit Til Schweiger verantwortete er einige der erfolgreichsten deutschen Kinofilme wie "Knockin‘ on Heavens Door" (1997), "Keinohrhasen" (2007), "Zweiohrküken" (2009), "Kokowääh" (2011) oder "Honig im Kopf" (2014).

Mit "Friendship!" verfilmte er 2010 sein eigenes Leben. Auch seine letzte Produktion "Traumfabrik" (2019) trägt autobiografische Züge. „Es war immer mein Ziel, genau diesen Film zu machen – und diesen Lebenstraum habe ich mir mit TRAUMFABRIK erfüllt.“ (Tom Zickler)

Dabei wollte er ursprünglich Kameramann werden, nur endete dieser Traum, bevor er begann. Nach der bestandenen Aufnahmeprüfung an der Filmhochschule attestierte man Tom Zickler Farbenblindheit, und weil er trotzdem unbedingt zum Film wollte, empfahl man ihn einem DEFA-Produzenten. Bald arbeitete er bei großen Märchenfilmen als Aufnahmeleiter. Privat produzierte er mit Freunden in der Produktionsgruppe Film & Foto „Man Ray“ Super 8-Filme (mehr). 1988 bewarb er sich erneut erfolgreich an der Filmhochschule, dieses Mal im Studiengang Produktion.

Nach dem Mauerfall ging Zickler für neun Monate nach Amerika. "Danach war ich immer der Student, der die meisten Filme gedreht hat, das war für mich die beste Ausbildung. Ich habe wirklich alles gemacht, was gerade anfiel, also nicht nur Produktion, sondern auch mal Ton oder Maske, Kostüm, Szenenbild oder Kamera - an der Hochschule wurde ja die gesamte Logistik einer Filmherstellung abgedeckt. Das ist auch heute noch ein Vorteil, den ich gegenüber manchen anderen Produzenten habe – dass ich 100% weiß, wovon wir sprechen", erzählt Tom Zickler. (Freundschaftsdienst 5/2009)

Obwohl er an mehreren Diplomfilmen mitwirkte, schrieb er nie seine eigene Diplomarbeit und verließ 1996 die Filmhochschule ohne Abschluss, was seinem weiteren Werdegang jedoch nie im Wege stand. Bereits als Student lernte Tom Zickler Til Schweiger kennen. Beide gründeten Anfang der 1990er Jahre Mr. Brown Entertainment und später Barefoot Films, wo Tom Zickler noch bis vor drei Jahren als Geschäftsführer fungierte. Mit der Firma Checkpoint Berlin produzierte er die B-Movie-Reihe „Planet B“.

„Ich habe zuallererst den Anspruch zu unterhalten.", so Tom Zickler. "Die Leute sollen ins Kino gehen, sechs Euro für ´ne Kinokarte bezahlen und nach zwei Stunden rausgehen und sagen: Ich hatte Spaß. Wenn ein Film fünf Millionen Euro kostet, dann ist er eben nicht nur Kunst, sondern auch ein Produkt - und das bringt eine gewisse Verantwortung mit sich. In unseren Filmen stecken 30% bis 35% Förderung, also Steuergelder. Die können wir immer wieder zurückzahlen - aber das ist nur zu schaffen, wenn man auch etwas produziert, was die Leute sehen wollen. Und was in Deutschland am besten funktioniert, ist Komödie - wenn sie richtig gemacht ist.“ (ebenda)

Mit dem erklärten Ziel, wieder vermehrt deutsche Kinofilme in Babelsberg zu entwickeln und herzustellen gründete Zickler 2017 gemeinsam mit Studio Babelsberg die Produktionsfirma Traumfabrik Babelsberg. Neben der eingangs erwähnten Eigenproduktion "Traumfabrik" koproduzierte die Firma u.a. den Kinoerfolg 25 km/h" (2018).

"Ich arbeite nach wie vor viel mit Menschen, die ich noch von meiner Studentenzeit kenne. Ich bin ein großer Fan der Filmhochschule, weil sie mir einfach unglaublich viel gegeben hat." (ebenda) Der HFF und später der Filmuni blieb Tom Zickler - auch als langjähriges Mitglied des Alumnivereins - immer verbunden.

Mit dem gestrigen Tag endete sein Leben überraschend nach einer sehr kurzen, schweren Krankheit.

„Wir sind fassungslos, bestürzt und tief traurig. Die deutsche Filmlandschaft verliert einen der größten Filmproduzenten und leidenschaftlichsten Geschichtenerzähler", so Tom Zicklers Freund und Traumfabrik-Kollege Christoph Fisser. Tom Zickler hätte wie kein anderer gewusst, wie man das Publikum begeistert. "Kino war sein Leben. Viel zu früh müssen wir Abschied nehmen von einem wunderbaren Menschen und langjährigen guten Freund."

Unser Beileid gilt seinem Sohn, seinen Eltern, der gesamten Familie. Unsere Gedanken sind bei allen Menschen, die ihn liebten und schätzten.

Pressemitteilung: Studio Babelsberg trauert um den Filmproduzenten Tom Zickler hier
Freundschaftsdienst 5/2009 – Interview mit Tom Zickler hier

Übermorgen, am 05. September 2019 um 19:00 Uhr, zeigt das Filmmuseum Potsdam in seiner Reihe Studio Babelsberg Filmtalk Studio Babelsberg Filmtalk Tom Zicklers letzten Film „Traumfabrik“. mehr

In der letzten Septemberwoche, am 25.09. um 10:00 Uhr ist "Friendship!" im Rahmen des Potsdamer Filmfestivals moving history  in der Reihe "moving history | EDUCATION" zu sehen. mehr