Filmbildung I | Grundlagen

Schul- und fächerübergreifende Fortbildung für Lehrer*innen

Wie gelingt es filmischen Inhalten uns emotional zu berühren? Was macht eine filmische Handlung spannend? Wie können Kameraführung, Lichtgestaltung oder Montage beeinflussen, ob wir mit filmischen Protagonist*innen sympathisieren oder nicht?

Der Kurs wird voraussichtlich 2022 wieder angeboten.

 

Teilnehmendenzahl: max. 30 Personen  

Sprache: Deutsch

Veranstaltungsort: Filmmuseum Potsdam

Wir laden Lehrerinnen und Lehrer zu einer schul- und fächerübergreifenden Fortbildung an der Filmuniversität Babelsberg ein. Unter dem Motto "Ganz großes Kino" wollen Dozent*innen und Studierende aus ihrer Filmpraxis heraus den Blick für ästhetische und inhaltliche Eigenheiten des Mediums sensibilisieren. Orientiert an den zentralen Standards des Basiscurriculums Medienbildung verknüpfen wir rezeptive und kreative Ansätze und gehen dabei aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage nach, welche filmischen Gestaltungsmittel auf welche Weise dazu beitragen, dass wir auf filmische Inhalte emotional „einsteigen“, dass wir mitfiebern mit Held*innen usw.. Erkenntnisse und Inspiration aus Vorträgen, gemeinsamen Sichtungen und Gesprächen mit Filmemacher*innen und aus eigenen filmpraktischen Übungen sollen in konkrete Ideen für den Unterrichtsalltag einfließen.

Programm

TAG 1

9:00-9:30            Ankunft der Teilnehmer*innen

9:30-9:45            Begrüßung und Einführung, Prof. Gergana Voigt, Vizepräsidentin Lehre

9:45-10:45          Impuls: „Filmbildung als ästhetische Bildung“, Dr. Bettina Henzler   

Was können wir von Filmen lernen und wie können Filme im Unterricht vermittelt werden? Der Vortrag fragt nach dem Bildungspotential des Bewegtbildes und seiner Relevanz für die zeitgenössische Pädagogik und Bildungsarbeit. Dabei plädiert er für eine Verbindung häufig getrennt gedachter Felder: Filmbildung führt das Sehen und Machen zusammen, begreift die Filmgeschichte als einen Zugang zur Gegenwart, bezieht analoge wie digitale Techniken ein. Insbesondere kann die affektive und emotionale Wirkung von Filmen nicht nur als Gefahr für die kritische Haltung, sondern als Grundlage einer Auseinandersetzung mit der ästhetischen Gestaltung und Aussagekraft von Filmen verstanden werden. Dieser Zusammenhang wird an einer Reihe von Beispielen aus der Filmgeschichte einschließlich zeitgenössischer filmischer Produktionen von Kindern und Jugendlichen diskutiert.

10:45-11:00        Kaffeepause

11:00 – 12:30    Ganz großes Kino Nr. 1 Dramaturgie: „Sagen lassen sich die Menschen nichts, aber erzählen lassen sie sich alles.“ (Bernard v. Brentano), Prof. Jens Becker

I. Die Wirklichkeit und ihr filmisches Abbild: Was kann man glauben?

  • Ist Authentizität identisch mit Glaubwürdigkeit?
  • Dramaturgie des Dokumentarfilms: handlungsgeleitet vs. themengeleitet
  • Der Wahrnehmungsvertrag mit dem Zuschauer
  • Emotionalität aufbauen im Dokumentarfilm – Beispiel Kurzfilm „Aleyna – Little Miss Neukölln“

II. Glaubwürdigkeit von Figuren im Spielfilm: Mensch zwischen Individuum und Normverhalten.

  • Individualität, Stereotyp und Vorurteil unterscheiden
  • Charaktermodelle zur einfachen und komplexen Erschaffung von Charakteren
  • Fallhöhe, Dilemma und Emotionalität – Ausschnitte Kurzfilm „Am Ende der Wald“

III. Abbildung von Wirklichkeit in neuen Medien – Spiegel oder Zerrbild?

  • Dramaturgie und Charakterentwicklung in Streaming- und Webserien, sowie emotionale Bindung durch serielles Erzählen

12:30 – 14:00    Mittagspause

14:00 – 17:30     Praxisübungen in zwei parallelen Workshops mit jeweils 15 Teilnehmer*innen:

A Seminar und Praxisübungen zur Vertiefung in Dramaturgie, Prof. Jens Becker

  • Aufbau des Drehbuchs, Szenendesign
  • Exposé für den Dokumentarfilm, Erwartung und Wirklichkeit
  • Schritte des Filmemachens als Unterrichtsbestandteile
  • Rollenverteilung / Aufgaben beim Filmemachen
  • Rechtlicher Rahmen (Urheberrecht)
  • Praxisübungen:
  • einfache Schreibübungen – Heranführung an das Storytelling
  • Porträtfoto-Übung: Stereotyp und Wirklichkeit
  • Charaktere bauen mit 2 Charaktermodellen – eine Übung
  • das erste, das mittlere und das letzte Bild – simples Storytelling
  • 2 Gemäldeübungen zum Szenendesign (Vorbereitungsszenen, Handlungsszenen, Reflektionsszenen)

B „Bewegend!“ - Praxisworkshop zur Bildgestaltung, Stefan Röske

Der Praxisworkshop konzentriert sich auf den Einsatz einfacher Mittel zur erfolgreichen Umsetzung praktischer Filmarbeit in der Schule. Die hierbei erprobten Übungen sind in allen Fachbereichen umsetzbar. Im Mittelpunkt des Workshops sollen Kamerabewegungen stehen: Schwenks, Kamerafahrten, Handkamera…

  • Wie kann man Schüler*innen für Bilder sensibilisieren?
  • Wie verändern sich emotionaler Zugang und Aussage durch die Gestaltung eines Filmbildes?
  • Mit welchen Methoden kann ich praktische Filmarbeit ganz konkret im Unterricht einsetzen?
  • Welches Equipment ist variabel, einfach zu bedienen und auch finanziell schulträgerkompatibel?

15:30 – 16:00     Kaffeepause

20:00                    optional gemeinsames Abendessen im Restaurant

 

TAG 2

9:00 – 09:30       Reflexion Tag 1, Beate Rabe

9:30 – 10:30       Ganz großes Kino Nr. 2 Montage: Lachen und Weinen - Empathie in der Filmmontage, Susanne Foidl

Am Anfang gibt es keinen Film als Ganzes, es existieren lediglich viele Stunden gedrehten Materials und erst in der Montage entsteht die Struktur, die Erzählung, der Sinn. Montage zeigt und lässt doch das Meiste weg. Montage ist Auswahl und Anordnung. Im Montageprozess werden viele Entscheidungen getroffen, Einstellungen bewertet, Zusammenhänge beurteilt. Wenn wir urteilen, dann urteilen wir als Teil einer Gesellschaft, sagte Hannah Arendt. Inwiefern zeigt sich das in einer Filmkonstruktion? Welche Figuren im Film fühlen sich stark, welche schwach? Wer ist gewalttätig, wer harmoniebedürftig und warum? Wie unterstützt die Montage die Dramaturgie und wie baut sie die Konflikte in den Figuren auf? Wie entsteht dadurch Empathie und wie arbeitet die Montage so mit den Emotionen der Zuschauer*innen? De- und Remontagen von Filmszenen veranschaulichen wie einfach mit filmischen Mitteln Emotionen ausgelöst werden können.

10:30-11:00        Kaffeepause

11:00-12:30        Ganz großes Kino Nr. 3 Bildgestaltung: Durch welche bildgestalterischen Mittel kommen die Emotionen in den Film? Yoliswa von Dallwitz

Wie erzeuge ich Emotionalität? Wie berühre ich den Zuschauer? Wie schaffe ich eine Stimmung, die mitreißt? Jedes Kamerabild ist eine Konstruktion, ein bewusst gesuchter Ausschnitt, eine Inszenierung, eine wertende Perspektive, indem es Realitäten zeigt, die auch symbolisch wirken und Stimmungen vermitteln, u.a. indem sie Protagonist*innen „ins richtige Licht“ setzen.

Die Teilnehmer*innen bekommen ein vertieftes Verständnis für das Verhältnis zwischen Kamerabild und Emotionalität - ein entscheidender Aspekt für die Rezeption von Bewegtbild-Inhalten im Unterricht und für eigene filmische Arbeiten.

12:30 – 14:00    Mittagspause

14:00 – 17:30     Praxisübungen in zwei parallelen Workshops mit jeweils 15 Teilnehmer*innen:

A „Bewegend!“ - Praxisworkshop zur Bildgestaltung, Stefan Röske

B Seminar und Praxisübungen zur Vertiefung in Dramaturgie, Prof. Jens Becker

15:30-16:00        Kaffeepause
 

TAG 3

9:00 – 09:30       Reflexion Tag 2, Beate Rabe

9:30 – 10:30       Cinema en curs: Das Licht auf dem Gesicht, Dr. Jon Echeverria

„Cinema en curs – filmen macht schule“ ist ein internationales Filmbildungsprogramm für Schulen, das an jeder Schulform durchgeführt werden kann. Das Programm verbindet Filmrezeption und -analyse ausgewählter Filmausschnitte im Klassenzimmer mit der praktischen Umsetzung von Filmübungen, die in die Konzeption, Recherche, Planung, Produktion und Umsetzung eines gemeinsamen Dokumentarfilmprojekts der Schüler*innen münden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der künstlerisch-ästhetischen Sensibilisierung. Das Programm bietet die Möglichkeit, in einem Zug das Medium Film und die eigene Alltagsrealität mit neuen Augen zu sehen und dadurch schließlich sich selbst und die Welt, die einen umgibt, besser kennenzulernen.

10:30-11:00    Kaffeepause

11:00-12:30    Filmscreening und Gespräch mit Studierenden der Filmuniversität

12:30-13:00    Zusammenfassung und Abschluss

Referent*innen

Prof. Jens Becker | FSS Filmbildung

Prof. Jens Becker | FSS Filmbildung

Prof. Jens Becker ist Drehbuchautor für Dokumentar- und Spielfilme und seit 2004 Professor für Drehbuch an der Filmuniversität KONRAD WOLF Potsdam-Babelsberg. Er gibt regelmäßig Workshops als freier Dozent zu den Themen Drehbuch, Dokumentarfilm, Spielfilm, Neue Medien und Medienkompetenz, zum Beispiel beim Grimme-Institut Leipzig, Filmarche Berlin, Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern, science2movie-Academy der Martin-Luther-Universität Halle. Außerdem ist er Autor mehrerer Publikationen zu Stoff- und Figurenentwicklung.
Yoliswa von Dallwitz | FSS Filmbildung

Yoliswa von Dallwitz | FSS Filmbildung

Yoliswa v. Dallwitz ist bildgestaltende Kamerafrau. Sie studierte Fine Art Photography an der Rhodes-Universität in Südafrika und Kamera an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Sie drehte zahlreiche preisgekrönte Spiel- und Dokumentarfilme, die auf internationalen Festivals wie Cannes und Berlinale uraufgeführt wurden. Sie ist Mitglied der Europäischen und der Deutschen Filmakademie. Seit 2014 unterrichtet sie Cinematography an der Filmuniversität und seit 2016 an der Universität Malta.
Dr. Jon Echeverria | FSS Filmbildung

Dr. Jon Echeverria | FSS Filmbildung

Dr. Jon Echeverria studierte bildende Kunst und Philosophie in Bilbao und Madrid und promovierte im Fachgebiet Ästhetik und Kunsttheorie an der Universität Pompeu Fabra (Barcelona). Beruflich war er an verschiedenen Kunst-, Ausstellungs- und Forschungsprojekten tätig. Seit 2015 ist er Leiter des internationalen Filmbildungsprogramms für Schulen Cinema en curs – Filmen macht Schule in Deutschland. Dieses Programm verbindet Filmrezeption ausgewählter Arthaus-Filmausschnitte im Klassenzimmer mit der praktischen Umsetzung von Filmübungen, die in die Konzeption und Realisierung eines gemeinsamen Dokumentarfilmprojekts münden. Er leitet auch in Deutschland das internationale Filmbildungsprogramm Moving Cinema.
Susanne Foidl | FSS Filmbildung

Susanne Foidl | FSS Filmbildung

Susanne Foidl ist Diplom-Schnittmeisterin. Nach ihrem Studium in den 90ern an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) arbeitete sie als freie Editorin und ist inzwischen als Lehrkraft für besondere Aufgaben an die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF zurückgekehrt. Susanne Foidl ist auch die Gleichstellungsbeauftragte der Filmuniversität und lehrt im Studiengang Montage. Sie beschäftigt sich schon lange mit der Genderkonstruktion in Filmwerken mit Fokus auf die Montage und erforscht darin - oft gemeinsam mit Studierenden - wie wir unsere Urteile im der künstlerischen Praxis überprüfen können und uns dabei selbst auf die Schliche kommen.

Referent*innen

Dr. phil. Bettina Henzler | FSS Filmbildung

Dr. phil. Bettina Henzler | FSS Filmbildung

Dr. phil. Bettina Henzler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik der Universität Bremen und Dozentin an der Filmuniversität Babelsberg. Seit 2000 arbeitet sie als Projektleiterin, Referentin und Autorin im Bereich Film und Vermittlung. Gemeinsam mit Winfried Pauleit hat sie Alain Bergalas Essay „Kino als Kunst" (2006) sowie die Sammelbände „Filme sehen, Kino verstehen" (2009), „Vom Kino lernen" (2010) und „Kino und Kindheit. Figur – Perspektive –Regie“ (2017) herausgegeben
Beate Rabe | FSS Filmbildung

Beate Rabe | FSS Filmbildung

Die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Beate Rabe ist seit 2006 am Filmmuseum Potsdam für Filmbildung und Museumspädagogik zuständig.
FSS Filmbildung I | Stefan Röske

FSS Filmbildung I | Stefan Röske

Stefan Röske ist Berufsschullehrer für Bildgestaltung, Kameratechnik und Dramaturgie in der Ausbildung der Mediengestalter Bild und Ton. Seit 2014 ist er regelmäßig als Dozent für Lehrkräftefortbildungen im Bereich der praktischen Filmarbeit im Unterricht tätig, seit 2018 als Fachberater für Medienbildung im Schulamtsbereich Brandenburg.

Anmeldung und Teilnahme

Die Summer School Filmbildung ist eine schul- und fächerübergreifende Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrem schulischen Alltag mit filmischen Mitteln und über Film unterrichten möchten. Für die Teilnahme werden keine filmischen Vorkenntnisse vorausgesetzt. Die Finanzierung erfolgt über einen Teilnahmebeitrag. Im Preis enthalten sind die Arbeitsmaterialien und Kaffeepausen. Unterkunft und Reise müssen selbst organisiert und bezahlt werden. Wir stellen Ihnen gerne Empfehlungen für Unterkünfte und Hotels in der Nähe zur Verfügung.

Infos für Brandenburger Lehrer*innen: Die Summer School ist als Ersatzangebot für Lehrer*innen vom Brandenburger Bildungsministerium (MBJS) anerkannt. Das heißt, der Teilnahmebeitrag wird vollständig von Ihrem zuständigen Staatlichen Schulamt übernommen. Brandenburger Lehrer*innen melden sich formlos per E-Mail bis zum 31. August 2020 bei Ihrer zuständigen BUSS-Agentur an. Anzugeben sind Name, Vorname, Schule sowie eine E-Mail-Adresse, unter der Sie direkt erreichbar sind. Die Teilnahmezusage und weitere Informationen erfolgen ebenfalls per E-Mail an die bei der Anmeldung verwendete E-Mail-Adresse.

Die Summer School Filmbildung wird unterstützt durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg