Aus der Studienwerkstatt

Auf dieser Seite präsentieren wir Arbeitsbeispiele aus unserer Studienwerkstatt und informieren über Projekte und Veranstaltungen, an denen sich unsere Studierenden beteiligen können. Über die nachstehenden Links können Sie zu den einzelnen Projekten direkt springen.

Archivmaterial in der ästhetischen Praxis

Das Seminar Archivmaterial in der ästhetischen Praxis, das jedes Jahr im Sommersemester stattfindet und den Studierenden des Masterstudiengangs Filmkulturerbe exklusiv angeboten wird, beschäftigt sich mit der Wiederverwendung von historischen Filmaufnahmen in künstlerischen und dokumentarischen Kontexten: von klassischen Kompilations- und experimentellen Found Footage-Filmen über Video Essays bis hin zur zeitgenössischen Mashup-Kultur. Im Rahmen dieses Seminars konzipieren und realisieren die Studierende in kleinen Gruppen einen eigenen Werbespot für das Studium aus alten Filmaufnahmen. Die Spots werden in der Regel aus Filmen aus dem historischen Studierendenfilmarchiv der Filmuniversität oder aus den Beständen unserer Praxispartner zusammengestellt. Eine Auswahl der bisherigen Arbeiten sind unten zu sehen.

Dieser Spot von Niki Argiropoulou, Henrike Okrent und María José Rosales Robles, fertiggestellt zum Beginn des Sommersemesters 2020, besteht gänzlich aus Ausschnitten aus deutschen Spielfilmklassikern im Rechtebestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung.

„Wo hat unsere Liebe zum Film begonnen? Wo sind wir in die Welt des bewegten Bildes eingetaucht? Das ist richtig! Im Kino. Mit diesem Trailer möchten wir einen Aspekt am Film hervorheben, der in unserer Gesellschaft voller Bildschirme gern vergessen wird: die Magie der großen Leinwand. Unser Trailer verbindet Filmbild und Musik zu einer kinematographischen Reise zum originären Ort des Films – dem Kino.“ (Niki Argiropoulou, Henrike Okrent, María José Rosales Robles, Studierende M.A. Filmkulturerbe)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Verwendete Filmausschnitte

  • ICH MÖCHTE KEIN MANN SEIN (1918, Ernst Lubitsch)
  • DER MÜDE TOD (1921, Fritz Lang)
  • VARIETÉ (1925, E.A. Dupont)
  • TARTÜFF (1925, F.W. Murnau)
  • ASPHALT (1929, Joe May)
  • FRAU IM MOND (1929, Fritz Lang)
  • DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930, Wilhelm Thiele)
  • HALLO JANINE! (1939, Carl Boese)
  • ROMANZE IN MOLL (1943, Helmut Käutner)

Alle Filme © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Dieser Spot von Marisa Menzel, Dennis Oestreich und Tom Rosenkranz, fertiggestellt zum Beginn des Sommersemesters 2020, wurde aus Filmen der DEFA, der staatlichen Filmproduktion der DDR, zusammengestellt.

„So großartig und beliebt ihre bekannten Märchenfilme sind, verbirgt sich hinter dem Namen der DEFA doch noch so viel mehr. Mit unserem Trailer wollen wir zeigen, dass das Filmerbe neben den altbekannten Klassikern auch die eigenwilligen, ungewohnten und fast vergessenen Filme umfasst. Dabei machen wir auch zukünftige Studierende darauf aufmerksam, dass ihre persönlichen Interessen im Studiengang gern gesehen und gefördert werden.“ (Marisa Menzel, Dennis Oestreich, Tom Rosenkranz, Studierende M.A. Filmkulturerbe)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der DEFA-Stiftung und der PROGRESS Film GmbH

Verwendete Filmausschnitte

  • DAS KALTE HERZ (1950, Paul Verhoeven)
  • DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN (1957, Francesco Stefani)
  • CHINGACHGOOK, DIE GROSSE SCHLANGE (1967, Richard Groschopp)
  • DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL (1973, Václav Vorlíček)
  • SIGNALE – EIN WELTRAUMABENTEUER (1970, Gottfried Kolditz)
  • … DASS EUCH DA KEIN LICHT AUFGEHT! (1961, Heinz Engelmann)
  • RÜBEZAHL UND DER SCHUSTER (1975, Stanislav Látal)
  • DER WETTLAUF (1962, Günter Rätz)
  • IM STAUB DER STERNE (1976, Gottfried Kolditz)
  • BLAUE MÄUSE GIBT ES NICHT (1959, Klaus Georgi)
  • VOM FRÖSCHLEIN UND SEINEM REIFEN (1964, Heinz Nagel)

Alle Filme © DEFA-Stiftung

Für diesen Spot, fertiggestellt zum Beginn des Sommersemesters 2019, kompilierten Elena Hahn, Florian Höhensteiger, Hyejin Lee und Josefine Knuth-Pollok Ausschnitte aus dreizehn deutschen Spielfilmklassikern im Rechtebestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Die eigens für den Clip komponierte Musik stammt von Carl Ludwig Wetzig, Absolvent des Studiengangs Filmmusik der Filmuniversität, und wurde vom Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Lorenz Dangel eingespielt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Verwendete Filmausschnitte

  • DR. MABUSE, DER SPIELER (1922, Fritz Lang)
  • DER LETZTE MANN (1924, F.W. Murnau)
  • VARIETÉ (1925, E.A. Dupont)
  • METROPOLIS (1925-27, Fritz Lang)
  • FAUST – EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE (1926, F.W. Murnau)
  • SPIONE (1927/28, Fritz Lang)
  • ASPHALT (1928/29, Joe May)
  • DER BLAUE ENGEL (1929/30, Josef von Sternberg)
  • DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930, Wilhelm Thiele)
  • GLÜCKSKINDER (1936, Paul Martin)
  • FRAUEN SIND DOCH BESSERE DIPLOMATEN (1941, Georg Jacoby)
  • MÜNCHHAUSEN (1943, Josef von Baky)
  • OPFERGANG (1944, Veit Harlan)

Alle Filme © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Rekonstruktionen verschollener Stummfilmtrailer

Im Rahmen des seit dem Wintersemester 2017/18 von Oliver Hanley geleiteten Seminars Das Rohmaterial der (Film)geschichte. Eine Einführung in die medienhistorische Quellenkunde rekonstruieren die Studierenden des Masterstudiengangs Filmkulturerbe die vermeintlich verschollenen deutschen Kinotrailer zu berühmten wie auch wenig bekannten Stummfilmen aus den späten 1920er Jahren. Solche Rekonstruktionen können bestenfalls als Annäherungen an die tatsächlichen, verloren gegangenen Trailer gelten. Trotzdem erlauben sie uns Einsichten in die Vermarktungsstrategien der Produktions- und Verleihfirmen zu jener Zeit. 
Diese Übung, die eigenständige historische Recherche mit kreativen und praktischen Komponenten verbindet, wird seit dem Wintersemester 2019/20 auch im Rahmen einer ähnlich ausgerichteten Lehrveranstaltung des Bachelorstudiengangs Konservierung & Restaurierung / Grabungstechnik an der HTW Berlin ausgeführt – dank einer Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Hochschulen zum engen Austausch in Lehre und Forschung. Ausgewählte Beispiele, die sich aus den Ergebnissen der beiden Studierendengruppen zusammensetzen, werden in Kooperation mit filmportal.de demnächst online veröffentlicht. Einen kleinen Vorgeschmack liefert die hier präsentierte Rekonstruktion des Trailers zu G.W. Pabsts Stummfilmklassiker TAGEBUCH EINER VERLORENEN (D, 1929).

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Damals wurden, wie heute noch, kurze Werbefilme – auch »Vorspann-« oder »Vorreklamefilme« genannt – zum Bewerben neuer Kinofilme angefertigt, die oft (wenn auch nicht immer) aus zusammengestellten Highlights des entsprechenden Films bestanden. Die meisten dieser Stummfilmtrailer existieren heute nicht mehr – ein Zustand, der sich auf die Jahrzehnte andauernde Tendenz unter Archivar*innen und Wissenschaftler*innen zurückführen lässt, den Kinotrailer als rein ephemeres Nebenprodukt der industriellen Filmproduktion zu missachten und folgerichtig nicht als filmhistorisch wertvolle, bewahrungswürdige Gattung zu erachten. 
In den 1920er Jahren in Deutschland mussten die Trailer, wie alle anderen Kinofilme auch, erst einer Prüfung durch die staatliche Filmzensur unterzogen werden, bevor sie überhaupt öffentlich aufgeführt werden durften. Für jeden geprüften Film wurde eine sogenannten Zulassungskarte von der zuständigen Prüfstelle in Berlin respektive München angefertigt. Mehrere dieser Zulassungskarten, auch zu Filmen, die heutzutage als verschollen gelten müssen, werden im Bundesarchiv aufbewahrt. Erhaltene Exemplare von den Zulassungskarten, die ab Mitte der 1920er Jahre ausgestellt wurden, enthalten detaillierte schriftliche Inhaltsangaben, anhand derer die ursprüngliche Einstellungs- und Szenenfolge des Trailers sich mit relativer Wahrscheinlichkeit nachvollziehen lässt. Diese Dokumente bilden daher eine wesentliche Grundlage für die Rekonstruktionen der Trailer durch die Studierenden des Masterstudiengangs Filmkulturerbe. Sofern vorhanden, können zusätzlich andere überlieferte Primärquellen in den Arbeitsprozess miteinbezogen werden, denn der Trailer war schließlich Teil einer größer angelegten Gesamtwerbekampagne. Andere Werbematerialien wie etwa Plakate, Aushangfotos oder Presseanzeigen können daher wichtige ergänzende Hinweise für die Trailer-Rekonstruktionen liefern.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Szenenfolge nach der Zulassungskarte

  1. Brooks Großaufnahme.
  2. Halb-Totale Gesellschafts-Szene.
  3. Brooks bekommt Geschenke.
  4. Groß Rasp hat Brooks im Arm und küßt sie.
  5. [Verboten: Rasp trägt Brooks zum Bett und legt sie nieder.]
  6. [Verboten: Eine Hand mit einem Foto.]
  7. Rasp schaut auf.
  8. Großaufnahme eine Frau kniet an der Erde und streckt ein Kinderhemd in die Höhe.
  9. Totale Zöglingsheim.
  10. Zöglinge essen.
  11. Vorsteherin schlägt einen Gong.
  12. Zöglinge turnen.
  13. Zöglinge liegen im Bett, lesen, rauchen, unterhalten sich.
  14. [Verboten: Panorama über die Betten.]
  15. Arno tritt zur Tür herein.
  16. [Verboten: Zieht sich Jackett aus.]
  17. Totale Zimmer. Personen tanzen.
  18. [Verboten: Groß Newlinsky tanzt mit Brooks durch eine Tür –]
  19. [Verboten: Eine Frau tritt aus einer Tür und schließt dieselbe.]

Länge: 82 m nach Kürzung: 54,75 m

Folgende Teile sind verboten:

Aus der Szenenfolge:

  • Nr. 5: Rasp trägt Brooks zum Bett und legt sich halb über sie. 6,55 m.
  • Nr. 6: Zwei Hände mit Nacktphotos. 2,65 m.
  • Nr. 14: Aus der Panoramaaufnahme der Betten die Stelle, an der zwei Mädchen in einem Bett die Decke über sich ziehen. 0,50 m.
  • Nr. 16: Arno zieht sich das Jackett aus und beginnt, sich die Hosenträger abzuknüpfen. 1,80 m.
  • Nr. 18 und 19: Newlinsky tanzt mit Brooks durch eine Tür. Eine Frau tritt aus der Tür und schließt sie. 15,75 m.

Quelle: Zulassungskarte »Vorspannfilm: Tagebuch einer Verlorenen« vom 2. Oktober 1929, Bundesarchiv (BArch), R 4396 / B.23667

UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes

Im Jahr 2005 rief die UNESCO den Welttag des audiovisuellen Erbes (World Day for Audiovisual Heritage) am 27. Oktober zum 25. Jahrestag der von der UNESCO verabschiedeten Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder aus. Durch Spezialveranstaltungen soll dieser Welttag die audiovisuelle Überlieferung der Menschheit stärker in das öffentliche Bewusstsein bringen und auf die Notwendigkeit hinweisen, audiovisuelle Medien als Teil des Kulturerbes zu schützen. Seit 2007 finden auch in Deutschland Veranstaltungen anläßlich des Welttags des audiovisuellen Erbes an verschiedenen Orten bundesweit statt. In vielen Fällen werden diese Veranstaltungen von den Mitgliederinstitutionen des deutschen Kinematheksverbunds ausgerichtet. In Potsdam wird der Welttag seit 2014 von der Professur Audiovisuelles Erbe der Filmuniversität Babelsberg in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Potsdam veranstaltet, seit 2016 werden die Veranstaltungen maßgeblich von den Studierenden des Masterstudiengangs Filmkulturerbe gestaltet.

Bisherige Veranstaltungen

Home Movie Day Brandenburg

Werbefoto für den ersten Home Movie Day Brandenburg am 20. Oktober 2018. Fotograf: Sercan M. Sükür

Seit 2018 beteiligt sich auch das Land Brandenburg am internationalen Home Movie Day. Der Home Movie Day wurde 2002 von einer Gruppe junger Archivar*innen in den USA ins Leben gerufen, mit dem Ziel, ein größeres öffentliches Bewusstsein für den Wert privater Filmaufnahmen als Teil des kulturellen Erbes zu schaffen. Mittlerweile finden die jährlichen Home Movie Day-Veranstaltungen an fast hundert Orten weltweit statt. In gemeinschaftlicher Arbeit des Masterstudiengangs Filmkulturerbe, des Filmmuseums Potsdam und des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften wurde der Home Movie Day Brandenburg am 20. Oktober 2018 lanciert: Besucher*innen können ihre eigenen, gefundenen oder geerbten Amateur- und Privatfilme ins Filmmuseum bringen, sie an dafür geeigneten Geräten kostenlos sichten und sich von spezialisiertem Personal beraten lassen, wie sie ihre Filme fachgerecht bewahren und digitalisieren können. Ein von den Masterstudierenden kuratiertes Begleitprogramm - bestehend aus Filmvorführungen, Lesungen, Buch- und Projektvorstellungen sowie Live-Darbietungen - präsentiert parallel Highlights aus Archivbeständen und jüngere Ergebnisse der wissenschaftlichen wie auch künsterlischen Auseinandersetzung mit den Amateur- und Privatfilmgattungen. Am Ende des Tages wird eine Auswahl der mitgebrachten Filme - sofern ihr Erhaltungszustand es zulässt - im Kino vorgeführt und vom Publikum live kommentiert.

Bisherige Veranstaltungen

Retrospektive des Studierendenfilmfestivals „Sehsüchte“

Das 1995 aus der Asche der FDJ-Studentenfilmtage der Hochschule für Film und Fernsehen (neu)gestartete und bis heute von Studierenden des Masterstudiengangs Medienwissenschaft geleitete Filmfestival Sehsüchte hat sich zu einem der größten und wichtigsten internationalen Studierendenfilmfestivals Europas entwickelt. Beginnend mit der 2017er Ausgabe verantworten die Studierende des Masterstudiengangs Filmkulturerbe die Sektion Retrospektive. Das an das jährlich wechselnde Motto des Festivals thematisch angelehnte Programm bietet einen Einblick in das umfangreiche historische Studierendenfilmarchiv der Filmuniversität. Manche Vorführungen finden in Anwesenheit der noch lebenden Filmemacher*innen statt, die im begleitenden Gespräch mit den Studierenden ihre Filme und Karrierewege reflektieren. Zu den Gäste der bisherigen Retrospektiven zählen u.a. Ulu Braun, Thomas Heise, Bernd Sahling und Ines Thomsen. Projektvorstellungen (z.B. von dffb-Archiv online, der Online-Darstellung des Archivs der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin durch die Deutsche Kinemathek, im Jahr 2018) bereichern das Programm.

Zur Festivalwebseite

Der M.A. Filmkulturerbe-Filmkanon

Ein längerfristig angelegtes Projekt des Studiengangs Filmkulturerbe ist die Erstellung eines eigenen Filmkanons. Hierfür wird jede*r Student*in dazu aufgerufen, bis spätestens zum Ende des Studiums ein Werk der deutschen oder internationalen Filmgeschichte - völlig frei von jeglichen inhaltlichen oder formellen Einschränkungen - einzureichen und dabei kurz zu begründen, warum sie oder er diesen Film für besonders künstlerisch, historisch und/oder (kultur)politisch wertvoll und deshalb für aufnahmewürdig hält. Auf diese Weise entsteht im Lauf der Jahre eine stetig wachsende „Best of“-Liste, die zugleich eine gewisse Aussagekraft über die Studierenden - ihre unterschiedlichen Hintergründe und Interessen - besitzt.

Die Filme

SUNRISE – A SONG OF TWO HUMANS (SONNENAUFGANG – LIED ZWEIER MENSCHEN, USA, 1927, F.W. Murnau) ausgewählt von María José Rosales Robles (Jg. 2018/19)

„Der Film ist ideal für diejenigen, die glauben, dass es sie langweilen wird, einen Stummfilm aus den 1920er Jahren zu schauen; das war bei mir der Fall, bevor ich diesen Film gesehen habe, und egal, wie oft ich ihn mir anschaue, er hört nicht auf, mich zu bewegen.“

MORGEN BEGINNT DAS LEBEN (D, 1933, Werner Hochbaum) ausgewählt von Fabian Schmidt (Jg. 2015/16)

„Ein unterhaltsamer, auch heute noch sehenswerter, bisher leider nicht auf DVD veröffentlichter (aber auf archive.org vorhandener) Film des unvergesslichen, aber heute weitgehend unbekannten deutschen Regisseurs Werner Hochbaum, der ein idealer Einstieg in den frühen deutschen Tonfilm ist.“

BIRUMA NO TATEGOTO (DIE HARFE VON BURMA, Japan, 1956, Kon Ichikawa) ausgewählt von Ilaria Pompei (Jg. 2015/16)

„Ein pazifistischer Film zur Verarbeitung der Schrecken des Zweiten Weltkriegs, der ohne blutige Szenen die Entwicklung des Protagonisten vom japanischen Soldaten zum buddhistischen Mönch schildert und somit die emotionale Dimension in den Vordergrund stellt.“

JAHRGANG 45 (DDR, 1966/90, Jürgen Böttcher) ausgewählt von Josefine Knuth-Pollok (Jg. 2017/18)

„Jürgen Böttchers einziger Spielfilm gehört in den Filmkanon des FKE-Masterstudiums, nicht allein auf Grund seiner Zensurhistorie und der damit verbundenen Genese der finalen Fassung, sondern weil seine Darstellung des Alltagsleben junger Ost-Berliner auf der Suche nach dem Sinn des Lebens nichts von seiner Aktualität verloren hat.“

ZOMBI 2 (WOODOO – DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, Italien, 1979, Lucio Fulci) ausgewählt von Tom Rosenkranz (Jg. 2018/19)

„Ein in Deutschland erbarmungslos zensierter Horrorklassiker, der auch in den hiesigen Kinos sehr erfolgreich lief und für alle, die an der Arbeitsweise der italienischen, international ausgerichteten Filmproduktion seit den 1960ern interessiert sind, einen blutigen und unterhaltsamen Einstieg bietet.“

YOL (YOL – DER WEG, Türkei, 1982, Yılmaz Güney) ausgewählt von Ruben Treiber (Jg. 2016/17)

„Neben der bedrückenden Schilderung verschiedener Formen von Unterdrückung, bietet YOL aus einer filmhistorischen Perspektive eine ebenso herausstechende Entstehungs- wie Auswertungsgeschichte; in einer Szene mit drastisch wechselnden Beleuchtungsverhältnissen gerät der Film an die Grenzen seiner Materialität.“

ROSETTA (Belgien, Frankreich, 1999, Jean-Pierre und Luc Dardenne), ausgewählt von Aleksandra Miljkovic (Jg. 2016/17)

„Dieser Film über die junge Rosetta, die, um der Armut zu entkommen, hartnäckig darum kämpft, eine Arbeit zu finden, hat in Belgien die Verabschiedung eines Gesetzes zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit – nach dem Film benannt als ‚Rosetta-Plan‘ – beschleunigt und somit die Kraft der Filmkunst, politische und soziale Veränderungen einzuleiten, verdeutlicht.“

LES GLANEURS ET LA GLANEUSE (DIE SAMMLER UND DIE SAMMLERIN, Frankreich, 2000, Agnes Varda) ausgewählt von Franziska Schiemann (Jg. 2016/17)

„Fragmentarisch, spielerisch, beobachtend, im Interesse an anderen Menschen, Denk- und Lebensweisen, zeigt der Film in Reiseepisoden, die sich fließend einander anschließen, das Sammeln zum Lebensunterhalt, manchmal zur Kunst, und rückt dabei auch Vardas eigenes Einsammeln von Bildern, Tönen und Erinnerungen in den Fokus.“

TEMPORADA DE PATOS (MEXICAN KIDS – TEMPORADA DE PATOS, Mexiko, 2004, Fernando Eimbcke) ausgewählt von Lucy Pizaña (Jg. 2017/18)

„Der Film ist eine Wiedergabe des Moments, in dem die Figuren in einer spontanen Beziehung zueinanderstehen und das einzige, was sie zusammenhält, die alltägliche Einsamkeit ist, die man in einer Stadt mit 22 Millionen Einwohnern fühlen kann.“

THE HALFMOON FILES (D, 2007, Philip Scheffner) ausgewählt von Anna Heizmann (Jg. 2016/17)

„Scheffners experimenteller Dokumentarfilm führt vor, wie historisches Bild- und Tonmaterial unter Berücksichtigung seiner jeweiligen inhaltlichen, materiellen und sinnlichen Qualitäten jenseits von reinen Evidenzbehauptungen kompiliert werden kann, wobei das politische Potential des Films weniger in seiner thematischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus liegt als in der Art und Weise, wie er mit genuin filmischen Mitteln im wahrsten Sinne des Wortes eine Vielstimmigkeit herstellt, ohne Angst vor Auslassungen das Hör- und Sagbare neuverhandelt und so festgeschriebene Machtverhältnisse ins Wanken bringt.“

HER (USA, 2013, Spike Jonze) ausgewählt von Daniel Körling (Jg. 2018/19)

„Das in der nahen Zukunft angesiedelte Filmdrama bezeugt den ubiquitären technologischen Wandel und die immer stärkere Verschmelzung dieser Prozesse mit den alltäglichen menschlichen Lebenswelten; zugleich verweist der Film auf die weiterhin fundamentale Kraft menschlicher Beziehungen.“

I AM NOT YOUR NEGRO (Frankreich, USA, Belgien, Schweiz, 2016, Raoul Peck) ausgewählt von Stella Dehne (Jg. 2016/17)

„In Form einer bestechenden Analyse der strukturellen Ursachen von Rassismus und der Repräsentation von Afro-Amerikanern*innen in der US-Kulturgeschichte zeigt I am not you Negro auf beeindruckende Weise, welch politische Kraft historisches Bildmaterial in der Gegenwart entfalten kann und darüber hinaus das strahlende Lächeln von James Baldwin.“

Abschlussarbeiten

Hier erhalten Sie eine Übersicht der bisher eingereichten Abschlussarbeiten im Fach Filmkulturerbe.

2020

  • Pizaña Perez, Lucy Alejandra: Filmische Inszenierungen des kulturellen Gedächtnisses. Zur audiovisuellen (De-)Konstruktion ikonischer Bilder im Film WATCHMEN (2009)
  • Rosales Robles, María José: Die Rolle der Kameraarbeit im Film am Beispiel von Emmanuel Lubezki
  • Schiemann, Franziska: Potentiale der Filmvermittlung an der Schnittstelle zwischen Schrift- und audiovisueller Kultur anhand ausgewählter Werke von Agnès Varda und Ulrike Ottinger
  • Treiber, Ruben: Darstellungen des Kriegsheimkehrers im Spielfilm des besetzten Deutschland 1946-1949

2018