Was möchten Sie mit MERINA KMU erreichen, und warum braucht es gerade heute mehr audiovisuelle Kompetenz in kleinen und mittleren Unternehmen?
Sophie Narr:
Wir möchten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dazu befähigen, ihre Innovationen, Kompetenzen und Geschichten selbst sichtbar zu machen.
Im Forschungsprojekt MERINA KMU entwickeln und erproben wir gemeinsam mit zwei Pilotunternehmen in der Uckermark praxisnahe Ansätze für den Einsatz audiovisueller Kommunikation.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in ein Handbuch ein, das Unternehmen bei der eigenständigen Umsetzung unterstützt. Gerade heute sind audiovisuelle Kompetenzen entscheidend, um Fachkräfte zu gewinnen, Wissen zu sichern und technologische Entwicklungen verständlich zu vermitteln.
So verbindet MERINA KMU Forschung und Praxis und schafft nachhaltige Werkzeuge für eine zukunftsfähige Unternehmenskommunikation.
Sie haben die Pilotunternehmen bei den Dreharbeiten und der Postproduktion begleitet. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht – und was hat Sie besonders überrascht?
Ralph Etter:
Schon bei unserem ersten Treffen hat uns überrascht, wie groß die Freude der Pilotunternehmen über unsere Unterstützung war. Besonders deutlich wurde, wie wertvoll eine kontinuierliche Begleitung über den gesamten Prozess hinweg ist – von der Entwicklung und Planung über die Dreharbeiten bis hin zur Postproduktion.
Zu Beginn haben wir mit ausgewählten Mitarbeitenden einen Workshop durchgeführt. Dabei ging es um das Kennenlernen filmischer Gestaltungsmittel und die Suche nach Themen und Geschichten aus dem eigenen Arbeitsumfeld, die sich filmisch erzählen lassen. Eine Aufgabe bestand beispielsweise darin, persönliche Orte, Gegenstände und Momente aus dem Arbeitsalltag fotografisch festzuhalten.
Von Anfang an ging es uns um die Befähigung der Unternehmen: Wir produzieren nicht einfach einen Film für sie, sondern unterstützen sie dabei, eigene audiovisuelle Inhalte zu entwickeln und umzusetzen. So entstanden Konzepte, Interviews wurden vorbereitet und Aufnahmen geplant. Bei den Dreharbeiten haben die Mitarbeitenden selbst Fragen gestellt und die Kamera geführt. Auch in die Postproduktion waren sie eingebunden: In einem kleinen Schnittworkshop haben wir die Rohschnitte analysiert und anschließend gezielt fehlendes Material nachgedreht.
Uns war wichtig, dass die Erfahrungen aus dem Projekt auch über die Zusammenarbeit hinaus nutzbar bleiben und eine Grundlage für weitere eigene Videoprojekte bieten.
Bei MERINA KMU endet die Arbeit nicht mit der Produktion, sondern umfasst auch die Veröffentlichung audiovisueller Inhalte. Worauf sollten kleine und mittlere Unternehmen achten, damit ihre Inhalte langfristig Wirkung entfalten?
Anja Dornieden:
Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse aus dem Projekt ist, dass die spätere Veröffentlichung bereits in der Planungsphase mitgedacht werden sollte. Fragen nach der Zielgruppe, den geeigneten Kanälen und der gewünschten Wirkung prägen den gesamten Produktionsprozess: Wen möchten wir erreichen? Über welchen Kanal sprechen wir diese Zielgruppe an? Und welche Handlung möchten wir mit unseren Inhalten auslösen? Diese Überlegungen beeinflussen den gesamten Produktionsprozess.
In der Zusammenarbeit mit den Pilotunternehmen hat sich außerdem gezeigt, dass eine klare Fokussierung der beste Einstieg ist. Statt von Anfang an alle Plattformen bedienen zu wollen, empfehlen wir, zunächst einen Kommunikationskanal und eine Zielgruppe auszuwählen und damit Erfahrungen zu sammeln. So entsteht Schritt für Schritt eine authentische audiovisuelle Kommunikation, die sich nachhaltig in den Unternehmensalltag integrieren lässt.
Dabei geht es nicht darum, möglichst perfekte Inhalte zu produzieren. Entscheidend ist vielmehr, audiovisuelle Kommunikation als kontinuierlichen Prozess zu verstehen – mit regelmäßigen Veröffentlichungen, dem Austausch mit der eigenen Community und einer Strategie, die zu den personellen und zeitlichen Ressourcen des Unternehmens passt.


