Konferenz

Gendered Labor. Arbeit, Praktiken und Öffentlichkeiten in Medienkulturen

Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht - Einreichungsfrist verlängert bis zum 16. Oktober!

Datum / Dauer:
24. – 26.02.2027
Ort:
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Marlene-Dietrich-Allee 11
14482 Potsdam

Medienarbeit ist in vielfältiger Weise durch geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen geprägt. Während feministische Medien- und Kommunikationsforschung lange Zeit vor allem Fragen der Repräsentation in den Mittelpunkt stellte, rücken zunehmend auch die Bedingungen medialer Produktion, Zirkulation und Aneignung in den Fokus: Wer produziert Medien unter welchen Bedingungen? Welche Formen von Arbeit – sichtbar oder unsichtbar – strukturieren Medienkulturen? Und wie werden diese Arbeiten entlang von gender, class, race und weiteren Differenzkategorien organisiert, bewertet und anerkannt?

Der Begriff Gendered Labor bietet einen analytischen Rahmen, um diese Fragen aus Perspektiven der Gender Studies, Kommunikations- und Medienwissenschaft zusammenzuführen. Zugleich lenkt diese Perspektive den Blick auf jene oft unsichtbaren Tätigkeiten, die Medienkulturen, Öffentlichkeiten und kommunikative Infrastrukturen überhaupt erst ermöglichen und aufrechterhalten.

Anknüpfungspunkte ergeben sich dabei unter anderem aus feministischen Arbeiten zu kreativer und kultureller Arbeit, zu affektiver und emotionaler Arbeit, zu sozialer Reproduktion sowie zu Fragen zu Sichtbarkeit, Anerkennung und Subjektivierung in Medienkulturen. Dabei wird Arbeit nicht nur als Gegenstand gesellschaftlicher Ungleichheit verstanden, sondern auch als Praxis, die soziale und kulturelle Ordnungen hervorbringt, stabilisiert oder verändert. Gendered Labor verweist somit sowohl auf die Bedingungen von Arbeit als auch auf ihre Rolle bei der Herstellung von Öffentlichkeit, Anerkennung, kultureller Wertigkeit und Wissensproduktion.

Gleichzeitig verändern digitale Plattformen, Streamingdienste und vernetzte Öffentlichkeiten die Formen medialer Arbeit und verschieben die Grenzen zwischen Produktion, Rezeption und Distribution. Nutzer*innen, Influencer*innen, Content Creator*innen oder Community-Manager*innen beteiligen sich auf unterschiedliche Weise an der Herstellung, Kuratierung und Zirkulation medialer Kommunikation.

Die folgenden Themenfelder markieren mögliche Perspektiven auf das Tagungsthema und richten den Blick auf unterschiedliche Ebenen medialer Arbeit – von Produktion und Zirkulation über Plattform- und Creator-Kulturen bis hin zur wissenschaftlichen Wissensproduktion. Sie verstehen sich ausdrücklich als offene Anknüpfungspunkte und nicht als abschließende Liste möglicher Beiträge. Entsprechend freuen wir uns auch über Einreichungen, die weitere Perspektiven auf Gendered Labor in Medien- und Kommunikationskulturen eröffnen.

Keynote

Miranda Banks (Loyola Marmount University, Los Angeles, USA)

Miranda Banks is Chair and Associate Professor of Film, Television, and Media Studies at Loyola Marymount University’s School of Film and Television. Her primary area of research is the American film and television industries, with a specific focus on power dynamics in creative production.


Call for Papers

  • Einreichungen für verschiedene Formate und Themenfelder sind bis zum 16. Oktober via Conftool möglich

Call for Papers

Gendered Labor in der Kultur- und Medienbranche

Die Medienbranche wurde vielfach als Arbeitsfeld mit starkem Machtgefälle, hohem Maß an Prekarität und Informalität beschrieben. Filmproduktionen, Redaktionen, Kreativ- und Musikbranche oder Verlagswesen stellen spezifische soziale Kräftefelder dar, in denen Handlungsräume, -bedingungen und -macht eigendynamisch strukturiert werden. Dass diese Strukturierungsprozesse durch Geschlecht, Akteur(sposition) und Kapital (ökonomisch, symbolisch, kulturell, inkorporiert, affektiv) unterschiedlich gelagert und wirkmächtig sind, zeigen insbesondere Arbeiten aus den critical media industry studies und feminist production studies.

Beiträge sind eingeladen, Produktionskulturen und Arbeitsverhältnisse in der Medienbranche hinsichtlich ihrer Praktiken, Formen und Konzepte von Gendered Labour zu untersuchen. Wie prägen diese die Arbeit(sbedigungen)? Wer erhält Zugang zu Produktionsfeldern, wer wird ausgeschlossen und welche Rolle spielen Netzwerke, Förderlogiken oder institutionelle Strukturen? Welche Arbeit erfährt Sichtbarkeit, Anerkennung und Wertigkeit, welche bleibt unsichtbar? Wie sind Risiken, Prekarität und soziale Absicherung verteilt?

Gendered Labor in Medienzirkulation, Sichtbarkeit und Wertbildung

Ob Medienangebote Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit und kulturelle Wertigkeit erlangen, hängt von vielfältigen Formen der Vermittlung, Bewertung und Zirkulation ab. Zwischen Produktion und Publikum wirken zahlreiche Akteurinnen und Institutionen – etwa Festivals, Kulturjournalismus, Filmförderungen oder Streamingplattformen –, die darüber mitentscheiden, welche Inhalte sichtbar werden, welche Publika adressiert werden und welche kulturelle Bedeutung Medien zugeschrieben wird. Im Fokus stehen Prozesse kultureller Wertbildung und kultureller Legitimation sowie die Rolle kultureller Intermediärinnen bei der Hervorbringung von Sichtbarkeit, Anerkennung und kultureller Relevanz. Festivalprogramme, Kritiken oder Empfehlungssysteme tragen maßgeblich dazu bei, Aufmerksamkeit, kulturelle Anerkennung und gesellschaftliche Relevanz zu erzeugen.

Beiträge sind eingeladen, die Arbeit kultureller Vermittlung, Bewertung und Sichtbarmachung in Medienkulturen zu untersuchen. Wie wird kulturelle Wertigkeit hergestellt, welche Akteurinnen und Institutionen sind daran beteiligt und wie prägen Geschlecht und andere Differenzkategorien Prozesse der Anerkennung, Legitimation und Marginalisierung? Besonderes Interesse gilt Arbeiten zu Festivals, Filmförderungen, Kulturjournalismus, Distributions- und Plattformlogiken sowie zu den Beziehungen zwischen der Medienbranche, Intermediärinnen und Publika.

Gendered Labor in der Creator Economy

Digitale Plattformen erzeugen je eigene geschlechtsspezifische Arbeitsformen, die im Kontext der Plattformlogiken in neoliberale Strukturen eingebettet sind und dort Selbstoptimierungs- und Kommodifizierungsmechanismen unterliegen. Aus einer Perspektive sozialer Reproduktion verdienen dabei aber auch besonders jene Praktiken, die zur Unsichtbarkeit neigen - wie Beziehungs-, Community- oder Moderationsarbeit - wissenschaftliche Aufmerksamkeit, da sie sich einer rein materiellen Erfassung entziehen und doch die affektiven Bedingungen digitaler Öffentlichkeiten bedeutsam mittragen. Insbesondere aktivistische Creator-Praktiken unterliegen hier Herausforderungen, die es in ihrem widerständigen Potential und ihrer systematischen Entwertung weiter zu untersuchen gilt.

Beiträge sind eingeladen, diese Verschränkungen genauer zu hinterfragen. Wie lässt sich geschlechtsspezifische Creator-Arbeit epistemisch und methodisch fassen, welche Abhängigkeiten entstehen gegenüber Plattformen und welche Kosten der Widerständigkeit gehen mit Selbstrepräsentationspraktiken und algorithmischen Plattformlogiken einher?

Gendered Labor in Wissenschaft und Wissenschaftsproduktion

Aus der Tradition feministischer Medienforschung ergibt sich die methodologische Reflexionsarbeit weiterhin als Kernelement fürsorglicher Erkenntnisprozesse, ebenso wie die Auseinandersetzung mit der eigenen epistemologischen Haltung als transformierende Praktik. Zirkuläre Prozesse der Wissensproduktion können hier das Feld der geschlechtsspezifischen Medienkulturen maßgeblich beeinflussen und mitgestalten. Wir möchten daher auch dazu einladen, spezifische Methodenarbeit im Bereich der gendered labor sichtbar zu machen und uns als Forschende aktiv in den Betrachtungsrahmen einzubeziehen. Feminisierte Arbeitsstrukturen prägen darüber hinaus auch akademische Institutionen und damit die Arbeitsbedingungen Forschender selbst. Welche Formen wissenschaftlicher Arbeit, etwa Lehre, Mentoring oder Gremienarbeit, lassen sich als Teil geschlechtlich strukturierter Ungleichheitsverhältnisse begreifen? 

Beiträge sind eingeladen, diese Formen akademischer Arbeit zu untersuchen und dabei zu fragen, welche solidarischen Arbeitsweisen unter den gegenwärtigen Bedingungen möglich sind: Wie können Antworten auf institutionelle Bedingungen entstehen, von informellen Kolleg*innen-Netzwerken bis hin zu kollektiven Lernräumen und studentisch organisierten Initiativen?

 

Hinweise zur Einreichung

Willkommen sind Einreichungen über Conftool in den folgenden Formaten:

  1. Einzelvortrag (15 Minuten): Abstract (max. 500 Wörter)
  2. Panel (90 Minuten): Panelbeschreibung (max. 500 Wörter), zusätzlich für jeden Beitrag ein Abstract (max. 300 Wörter)
  3. Offenes Format (z. B. Roundtable, Action Group, Fishbowl Discussion, World Café, Data Sprint, Best Practices, Open Space, (Co-Creation) Workshop etc.): Formatbeschreibung (500–800 Wörter) einschließlich der beteiligten Teilnehmer

Die Förderung von Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen ist ein zentrales Anliegen der Fachgruppe, weshalb wir diese Forschenden ausdrücklich ermutigen, ihre Beiträge einzureichen!

 

  • Verlängerte Einreichungsfrist: 16. Oktober 2026

 

Reviewprozess

Alle eingereichten Beiträge durchlaufen ein anonymisiertes Review-Verfahren. Bitte reichen Sie sämtliche Unterlagen daher in anonymisierter Form ein. Grundlage der Begutachtung sind insbesondere folgende Kriterien: 1. Bezug zum Tagungsthema, 2. Plausibilität der theoretischen Fundierung, 3. Angemessenheit des Vorgehens und der Methodik, 4. Klarheit und Prägnanz der Darstellung und 5. Beitrag zum Forschungsfeld (Relevanz und Originalität/Innovation)


Organisation & Kontakt

Die Tagung wird von der Professur für Analyse und Ästhetik audiovisueller Medien (Prof. Dr. Susanne Eichner), Bereich Medienwissenschaft der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und dem Media Research Center Babelsberg (MRCB) veranstaltet.

Lokales Organisationsteam Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF


Für die Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht