Am heutigen 8. Juli 2026 begeht Jürgen Böttcher, auch bekannt unter dem Namen Strawalde, seinen 95. Geburtstag. Er ist einer der prägendsten Defa-Regisseure und gehört zu den wichtigen Künstlern der Gegenwart. Aufgewachsen im sächsichen Strahwalde - das ihn zu seinem späteren Künstlernamen Strawalde inspirierte - studierte er von 1949 bis 1953 Malerei an der neuen Hochschule für Bildende Künste Dresden. Danach blieb er als freischaffender Künstler in Dresden bevor er 1955 in an der gerade gegründeten Deutschen Hochschule für Filmkunst und heutigen Filmuniversität Babelsberg ein Regiestudium aufnahm und nach seinem Abschluss 1960 als festangestellter Mitarbeiter beim DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme in Berlin arbeitete. Nach der Teilnahme an einer Gruppenausstellung in West-Berlin wurde Jürgen Böttcher 1961 aus dem Verband Bildender Künstler der DDR ausgeschlossen, was ihm eine weitere berufliche Tätigkeit als Maler in der DDR fast unmöglich machte. Auch sein einziger Spielfilm Jahrgang 45 (1965) wurde noch vor der Fertigstellung verboten. Fortan konzentrierte er sich auf den Dokumentarfilm und wurde “mit seinem umfangreichen und eigenwilligen Werk der angesehenste DDR-Dokumentarfilm-Regisseur der 1970er und 1980er Jahre – und das über die Grenzen der DDR hinaus. Seine Filme gelten heute als stilbildend für eine ganze Generation ostdeutscher Filmemacher” (Filmportal). Das filmische Gesamtwerk Böttchers kam nach der Wende zu neuen Ehren. 1992 erhielt Jürgen Böttcher das Filmband in Gold für sein Lebenswerk: Die höchste Auszeichnung, die der Staat an Filmschaffende zu vergeben hat. 1994 wurde er durch den französischen Präsidenten Francois Mitterrand mit dem Titel „Officier de l´Ordre des Arts et des Lettres“ für sein künstlerisches Gesamtwerk ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche weitere Preise, 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Mit einer Goldenen Kamera wurde er 2006 auf der Berlinale geehrt.
Anlässlich seines Ehrentages zeigte das Filmmuseum gestern Abend seinen mit dem europäischen Filmpreis ausgezeichneten Film DIE MAUER (1989) und ludt zum Gespräch mit Jürgen Böttcher und Peter Badel.
Am kommenden Freitag gibt es erneut Gelegenheit, den Künstler und sein Werk in Augenschein zu nehmen. Die Akademie der Künste veranstaltet ab 19.00 Uhr „Ich lebe in den Tag hinein und in die Nacht“ | Soiree für Strawalde – Ein Abend mit Texten, Gedichten, Fotografien, Filmen und Musik”. Gezeigt wird u.a. JAHRGANG 45, „einer der schönsten deutschen Spielfilme“ laut Helke Misselwitz, die den Abend kuratiert hat und moderieren wird und einer Einführung von Claus Löser im Gespräch mit Jürgen Böttcher. Freuen darf man sich auf ein Programm mit Peter Badel, Matthias Flügge, Volker Koepp, Dieter Kosslick, Gerd Kroske, Mark Lammert, Jutta Penndorf, Nino Sandow, Hilke Wagner u. a.
Online Tickets: www.adk.de/tickets


