Am 5. Oktober ist es wieder so weit: Im Theater des Westens werden die FIRST STEPS Awards 2026 verliehen und die talentiertesten Nachwuchsfilmschaffenden ausgezeichnet. Heute wurden die Nominierungen veröffentlicht. Fünf renommiert besetzte Fachjurys haben aus insgesamt 159 Einreichungen die Nominierten in den zehn Kategorien ausgewählt. Sieben von 36 Nominierungen gehen dabei an Talente und Filme aus den Reihen der Filmuniversität.
- In der Kategorie Kurzfilm stellt sich GROWING STONES, FLYING PAPERS der Konkurrenz: Ein Schriftsteller, der sich unter einer aufkommenden Diktatur in seiner Wohnung versteckt, steht im Zentrum des MA-Abschlussfilms der Filmuni. Im Stillen dokumentiert er die Wahrheit. Seine Nachbarin dagegen wählt einen anderen Weg und geht nachts auf die Straße. Als sie gefasst wird, ist er der einzige Zeuge — und muss sich zwischen Schweigen oder handeln entscheiden. (Trailer). “Selten gelingt es einem Animationsfilm, einen so großen Assoziationsraum zu öffnen wie GROWING STONES, FLYING PAPERS. Ohne viele Worte erzählt der Film von Angst, Widerstand und der Verantwortung des Einzelnen gegenüber einer autoritären Gesellschaft. Die markante Holzschnittästhetik verleiht der Geschichte ihre visuelle Identität und verbindet politische Dringlichkeit mit poetischer Kraft. Jede Einstellung ist sorgfältig komponiert und entfaltet eine Spannung, die weit über das konkret Gezeigte hinausreicht. Ein eindrucksvoller Animationsfilm, dessen Ästhetik nicht nur das Erzählte unterstützt, sondern darüber hinaus Bildsprache und gesellschaftliche Relevanz auf bemerkenswerte Weise zusammenführt”, so die Jurybegründung.
- Der 40-Minüter KING OF WAR hat es in die Auswahl in der Kategorie Mittellanger Spielfilm geschafft. Im Zentrum steht der Schmuggler Jep. Um nicht ins Militär eingezogen zu werden, nimmt er einen ungewöhnlichen Auftrag an: Er soll einen kleinen Hund zu seinem neuen Besitzer an die Front bringen. Auf seiner Reise durch das namenlose Kriegsgebiet begegnet er verlassenen Schauplätzen des Krieges, feiernden Blauhelmsoldaten und einem Deserteur auf der Flucht, den er in Sicherheit bringen soll. Doch das würde ihn in die entgegengesetzte Richtung führen. Jep muss ihn irgendwie loswerden. Und als es ihm am Ende tatsächlich gelingt, den Hund an der Front abzuliefern, und es so scheint, als hätte er sich wieder einmal aus allem Schlamassel herausgewunden, wird er zum ersten Mal mit den Konsequenzen seines Handelns konfrontiert. Die Jury dazu: “Zwischen Frontlinien, Straßenstaub und absurden Handelsgeschäften entwirft KING OF WAR eine Welt, die zugleich märchenhaft und erschreckend gegenwärtig wirkt. Mit großer erzählerischer Energie verbindet der Film Roadmovie, Kriegsparabel und Charakterstudie zu einer eigenständigen filmischen Erfahrung. Die Kameraarbeit, das präzise Schauspiel und die sichere Inszenierung verleihen der Geschichte eine beeindruckende Souveränität. Vor allem aber überzeugt der Film durch seine klare Vision. Ein außergewöhnlich selbstbewusster Film, der neugierig auf die nächsten Arbeiten seiner Regisseure macht.”
- ICH ATME DIE GANZE ZEIT - ein autobiografischer Dokumentarfilm über psychische Erkrankung und eine ambivalente Mutter-Tochter-Beziehung startet in der Kategorie Kategorie Dokumentarfilm: Rosa leidet seit frühester Kindheit an Angstzuständen und Panikattacken. Im Urlaub an der Ostsee versucht sie in Gesprächen mit ihrer Familie ihre Krankheit und deren Ursprung zu verstehen. Es öffnet sich eine Familiengeschichte zwischen Nähe und gegenseitiger Abhängigkeit, in der die Angst sich durch mehrere Generationen von Frauen zieht. Jurybegründung: “ Wie fühlt sich Angst an, wenn sie zum ständigen Begleiter geworden ist? ICH ATME DIE GANZE ZEIT findet dafür eindrucksvolle filmische Bilder und macht einen inneren Zustand sichtbar, der sich jeder einfachen Beschreibung entzieht. Mit großer Offenheit verbindet Rosa Gocht autobiografische Selbstbefragung mit einer berührenden Annäherung an ihre Familiengeschichte. Besonders die Gespräche zwischen Mutter und Tochter entwickeln eine außergewöhnliche Ehrlichkeit und zeigen, wie eng psychische Erkrankungen mit familiären Prägungen verwoben sein können. Ein sehr persönlicher Film über Angst, Nähe und den schwierigen Versuch, einander wirklich zu verstehen.”
- Der Schauspieler Tommes Diallogeht ins Rennen um den Götz George Nachwuchspreis für CHAMPIONS UND WIR. In dem 38-Minüter wird der liebevolle Raum zwischen den beiden besten Kindheitsfreunden Josh und Chicco wird von der toxischen Vorstellung von Männlichkeit Zuhause und im Fußballverein auf die Probe gestellt. Die Jury zu ihrer Entscheidung: “Tommes Diallo beeindruckt mit Natürlichkeit und Facettenreichtum. Er verleiht seiner Figur eine große körperliche Präsenz und verbindet jugendliche Unbeschwertheit mit einer berührenden Verletzlichkeit. Gerade in den leisen Momenten wird spürbar, wie viel unausgesprochen zwischen den Figuren liegt. Gemeinsam mit seinem Spielpartner entwickelt er eine glaubwürdige Dynamik, die den emotionalen Kern des Films trägt. Sein Spiel wirkt unmittelbar, ehrlich und von einer bemerkenswerten Offenheit. Ein Schauspieldebüt, das großes Talent erkennen lässt und neugierig auf seinen weiteren Weg macht.”
- Filmuni-Absolvent Justus Hagemanndarf sich der Konkurrenz in der Kategorie No Fear - Bernd Eichinger Award stelllen für die Produktion seines Abschlussfilms VOM BÖSEN BLICK: Als Missbrauchsvorwürfe gegen ihren schwulen Kollegen und Freund Kiran aufkommen, gerät die Sozialarbeiterin Luca in ihrem Versuch, den gemeinsamen Jugendclub “Q3” zu retten, zwischen die Fronten. Der Film, so die Jury, “zeigt eindrucksvoll, wie eng künstlerische und produzentische Arbeit miteinander verbunden sein können. Die Produktion schafft die Voraussetzungen für einen Film, der sich einem komplexen und sensiblen Thema mit großer Sorgfalt nähert. Persönliche Erfahrungen flossen dabei produktiv in den Entwicklungsprozess ein und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe. Sowohl der auf größtmögliche Authentizität ausgerichtete Castingprozess als auch die Arbeit mit Jugendlichen erforderten ein hohes Maß an Präzision und Verantwortungsbewusstsein. Darüber hinaus gelang es der Produktion eine unterstützende Arbeitsatmosphäre und trotz der thematischen Schwere Momente der Leichtigkeit zu schaffen. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die zeigt, wie stark kreative Partnerschaft einen Film prägen kann.”
Und last but not least dürfen sich über eine Nominierung zum Michael Ballhaus Preisgleich zwei Nachwuchs-Kamera-Talente aus der Filmuni freuen:
- Lea Pech für ihre Arbeit an NOAH - eine Koproduktion von Schuldenberg Films und Filmuniversität Babelsberg; gefördert im Rahmen der Leuchtstoff- Intitiative des Rundfunk Berlin Brandenburg: Als Noah nach einer polizeilichen Kontrolle stirbt, entfaltet sich eine schicksalhafte Nacht. Für seine Mutter beginnt auf dem Weg ins Krankenhaus ein Kampf gegen die Trauer und die Mauern der Bürokratie. Zwei Freunde aus seiner Nachbarschaft werden nach der Nachricht von seinem Tod von Wut überwältigt und suchen nach einem Ventil für ihren Zorn. Und Ibrahim, ein Polizist, wird Zeuge der schwerwiegenden Fehler seiner Einheit, die aus Vorurteilen heraus entstehen. “NOAH entwickelt für seine unterschiedlichen Erzählstränge jeweils eine eigene visuelle Identität und verbindet sie dennoch zu einem überzeugenden Ganzen. Die differenzierte Bildgestaltung macht Perspektiven sichtbar, ohne sie gegeneinander auszuspielen, und zeugt von einem klar durchdachten gestalterischen Konzept. Der bewusste Einsatz verschiedener optischer Mittel und eine präzise Lichtgestaltung verleihen dem Film eine eigenständige Handschrift. Besonders beeindruckend ist dabei die Konsequenz, mit der formale Entscheidungen aus den jeweiligen Figuren und Situationen heraus entwickelt werden. Eine ambitionierte Kameraarbeit, die großes gestalterisches Potenzial erkennen lässt und neugierig auf kommende Arbeiten macht”, urteilt die Jury.
- Leo Schmidt'sBildgestaltung von KING OF WAR dagegen entwickele “eine eigene filmische Sprache, die das Publikum direkt an der Reise ihrer Hauptfigur teilhaben lässt. Dokumentarische Arbeitsweise und präzise komponierte Einstellungen greifen selbstverständlich ineinander und schaffen eine Welt, die zugleich rau und poetisch wirkt. Der bewusste Wechsel zwischen Handkamera, statischen Bildern und gezielten Zooms folgt stets der Dramaturgie und verleiht dem Film eine durchgehend stimmige visuelle Handschrift. Besonders die Außenräume und die variantenreich inszenierten Autofahrten zeigen ein sicheres Gespür für Rhythmus und Raum. Eine Kameraarbeit, die ihre gestalterischen Entscheidungen konsequent aus der Geschichte entwickelt.”
Nicht unerwähnt lassen wollen wir unseren ehemaligen Studierenden und BA-Absolventen Maximilian Conway, dessen MA-Abschlussfilm von der Filmakademie Wien HASENFUSS in der Kategorie Mittellanger Spielfilm nominiert wurde, sowie Drehbuchstudent Silas Degen, der bei dem Film HEIMGESUCHT Regie führte, dessen Produzent für den No Fear Award nominiert ist.
Die mit jeweils 1.000 Euro dotierten Nominierungen sind selbst schon eine Auszeichnung. Darüber hinaus erwartet die Nominierten ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Impulsen, Begegnungen und Angeboten, die sie in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen und ihnen neue Perspektiven eröffnen sollen. Eines der Highlights des diesjährigen Nominiertenprogramms steht nun unmittelbar bevor! 16 für den FIRST STEPS Award nominierte Filmschaffende sind zum #Atelier26 im Rahmen des Filmfest Hamburg (24.9. – 3.10.2026) eingeladen.
Wer das große Finale live miterleben möchten, kann ab 19:30 Uhr den Livestream in der ARD Mediathek verfolgen. Durch den Abend führen in diesem Jahr die Schauspieler*innen Malaya Stern Takeda und Maximilian Mundt.
FIRST STEPS wurde 1999 als private Nachwuchsinitiative der Filmwirtschaft von den Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann ins Leben gerufen. Seither werden jährlich die FIRST STEPS Awards an Abschlussfilme sowie vergleichbare Arbeiten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol vergeben und gelten als renommiertester Preis für Nachwuchsfilmschaffende. Der Preis ist mit insgesamt 132.000 Euro die höchst dotierte Auszeichnung für Abschlussfilme und wird jährlich in zehn Preiskategorien an Regisseur:innen, Produzent:innen, Bildgestalter:innen, Schauspieler:innen und Drehbuchautor:innen von kurzen, mittellangen und abendfüllenden Spielfilmen, Dokumentarfilmen sowie sehr kurzen Formaten vergeben.
Allgemeines Pressematerial zu FIRST STEPS finden Sie unter: https://www.firststeps.de/presse/
Sichtungslinks, Pressematerial und -informationen zu den nominierten Filmen erhalten Sie auf Anfrage bei JUST PUBLICITY.
Weitere Informationen finden Sie unter
www.firststeps.de
www.instagram.com/firststepsaward
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