Nachruf

Zum Gedenken an Angelica Domröse

Die große Schauspielerin und Filmuni-Alumna verstarb am 15. Mai 2026 nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren in Berlin.

 (öffnet Vergrößerung des Bildes)
Angelica Domröse (c) DEFA-Stiftung, Michael Reinhard

“Als 1959 Slatan Dudows „Verwirrung der Liebe“ in die Kinos kam, war Angelica Domröse 18 Jahre alt und hatte schon sehr viel von dem, was einen Star ausmacht. Die Kamera schien sie zu lieben. Sie konnte spielen, hatte etwas, was man „Ausstrahlung“ nannte, und stand am Anfang einer viel versprechenden Filmkarriere. Logischerweise ging sie zur Filmhochschule nach Babelsberg, wo Schauspieler fürs Theater wie für den Film fundiert ausgebildet wurden”, beginnt Michael Hanisch ein Porträt über Angelica Domröse. Als sie 1963 offiziell ihren Abschluss in der Tasche hatte, wandte Sie sich zunächst dem Theater zu und folgte dem Angebot von Helene Weigel ans Berliner Ensemble. „Die Filme der DEFA hatten mir nie so gefallen. Wir sind kein großes Filmland, aber wir sind ein großes Theaterland. Ich würde also mehr lernen am Theater", erklärte die Schauspielerin, die nicht zuletzt durch ihre Rolle als alleinstehende junge Mutter „Paula“ in Heiner Carows Kultfilm “Die Legende von Paul und Paula” (1973) zu einem der bekanntesten Gesichter der DEFA, zur “Grande Dame des DDR-Kinos” werden sollte. Auf zahlreiche Film- und Theater-Engagements folgten fast ebensoviele Auszeichnungen, sie wird mehrfach “Schauspielerin" oder “Fernsehkünstlerin des Jahres” und erhält den ”Nationalpreis der DDR II. Klasse", bevor “eine der prägenden Künstlerpersönlichkeiten des ostdeutschen Films und Theaters” infolge ihrer Unterzeichnung der Protestresolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann zunehmend in ihrer Arbeit behindert wird und 1980 entscheidet, ihre Heimat zu verlassen.

Auch im Westen konnte sie ihre Karriere in Film un Theater forstetzen, war als Musikproduzentin Peggy Kaufmann in Helmut Dietls sechsteiliger Fernsehserie Kir Royal zusehen und ermittelte als Kriminalkommissarin Vera Bilewski ab 1994 in der Krimireihe Polizeiruf 110. 2003 erhielt sie die “Goldene Henne” für das Lebenswerk, 2008 den “Preis der DEFA-Stiftung” für die Verdienste um den deutschen Film, 2010 wurde sie mit einem Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin geehrt. Die Feuilletons und Kulturmagazine warfen anerkennende Blick auf ihr Schaffen, nannten sie proletarisch und feenhaft oder attraktiv und dornig. Oft waren es Gegensätze, die bemüht wurden, um der grazilen Diva gerecht zu werden, die so lebendig und wahrhaftig wirkte und der das Alter die mädchenhafte Attraktivität der Paula nicht nehmen konnte. Mehr als fünf Jahrzehnte blieb sie der Kamera treu, bis sich “eines der schönsten Gesichter der deutschen Filmgeschichte” 2012 mit der Seniorenkomödie "Bis zum Horizont, dann links!" vom Publikum verabschiedete. 

Mit Trauer nehmen auch wir Abschied von einer großen Künstlerin. Ihr Werk jedoch wird bleiben.

 

Angelica Domröse (Mitte) mit ihren Kommilitoninnen Jutta Hoffmann (links) und Annekatrin Bürger (rechts). (c) Arno Fischer