Mit Prof. Regina Ziegler, die am 1. November im Alter von 82 Jahren verstarb, verliert die deutsche Film- und Fernsehbranche eine ihrer bedeutendsten Produzentinnen. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat sie mit unternehmerischem Mut, großer künstlerischer Neugier und einem außergewöhnlichen Gespür für Geschichten das Filmschaffen geprägt. Mit ihrer 1973 gegründeten Produktionsfirma Ziegler Film realisierte sie mehr als 500 Kino- und Fernsehproduktionen und setzte dabei immer wieder Maßstäbe.
Bereits ihre erste Produktion „Ich dachte, ich wäre tot“ (1973), das Regiedebüt von Wolf Gremm, wurde mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche erfolgreiche und preisgekrönte Arbeiten, darunter „Malou“, „Kamikaze 1989“ mit Rainer Werner Fassbinder, „Fabian“, „November Days“ und „Die Wölfe“, für die sie einen International Emmy Award erhielt. Mit Produktionen wie „Weissensee“, „Kommissarin Heller“ und „Lena Lorenz“ erreichte sie ein breites Fernsehpublikum. Ihre Vielseitigkeit bewies sie ebenso mit anspruchsvollen Dokumentarfilmen wie mit großen Publikumserfolgen. Zuletzt produzierte sie gemeinsam mit Volker Schlöndorff die Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, die 2026 in die Kinos kam.
Regina Ziegler war eine Pionierin. In einer damals von Männern dominierten Branche setzte sie sich mit Entschlossenheit und Risikobereitschaft durch, förderte Filmschaffende und eröffnete ungewöhnlichen Geschichten und Perspektiven Raum. Ihr Werk wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen gewürdigt. 2006 ehrte das Museum of Modern Art in New York sie mit einer Retrospektive. 2016 erhielt sie die Ehren-Lola für ihre herausragenden Verdienste um den deutschen Film.
Der Filmuniversität Babelsberg war Regina Ziegler über viele Jahre eng verbunden. 2004 wurde sie zur Honorarprofessorin für Film- und Fernsehproduktion berufen. Über viele Jahre brachte sie so ihre umfassende Erfahrung in die Lehre ein und ermöglichte Studierenden wertvolle Einblicke in die professionelle Produktionspraxis. Als Mitglied des Kuratoriums der Filmuniversität unterstützte sie von 2018 an bis zuletzt die Entwicklung der Hochschule. Auf besondere Weise verkörperte sie dabei die für die Filmuni so prägende Verbindung von künstlerischem Anspruch, unternehmerischer Praxis und akademischer Ausbildung, war darüber hinaus eine wichtige Stimme für den Austausch zwischen Hochschule und Filmbranche.
Die Filmuniversität verliert mit Regina Ziegler eine außergewöhnliche Filmschaffende und eine geschätzte Wegbegleiterin. Ihre Energie, ihre Offenheit für neue Ideen und ihr Vertrauen in die Kraft des Films werden uns in Erinnerung bleiben. In einem Interview beschrieb sie ihre Arbeitsweise einmal mit den Worten: „Ich bin meinen Ideen nachgelaufen.“ Diese Haltung prägte ihr Lebenswerk und wird auch für kommende Generationen von Filmschaffenden inspirierend bleiben.
Susanne Stürmer, Präsidentin der Filmuniversität: „Regina Ziegler war eine Erscheinung, absolut klar, aus dem Herzen wohlwollend und mit großer Liebe für ihre Filmfamilie. Sie hinterlässt eine enorme Lücke. Unsere Anteilnahme gilt im Besonderen ihrer Tochter - unserer Absolventin - Tanja Ziegler sowie ihren Angehörigen und allen Weggefährt*innen. Wir werden Regina Ziegler ein ehrendes Andenken bewahren.“

