1977 erschien Maxie Wanders „Guten Morgen, du Schöne“ und wurde zu einem der berühmtesten Bücher der DDR. Frauen erzählten darin anonym von Liebe, Leben und Sexualität, von ihren Sehnsüchten und Enttäuschungen. Sie schufen damit ein schillerndes, unverschämt offenes Bild weiblicher Lebenswirklichkeit im Osten, das später auch im Westen Millionen Leserinnen bewegte. Fünfzig Jahre lang blieben die Namen und die Gesichter der Frauen verborgen. Ina Borrmanns Dokumentarfilm GUTEN ABEND, DU SCHÖNE lüftet nun ihr Geheimnis – und lässt die Frauen ihre ganze Geschichte erzählen.
Was ist aus ihnen geworden? Welche Hoffnungen haben sich erfüllt, welche Träume sind geplatzt? Und wie blicken sie einen beispiellosen Gesellschaftsumbruch später auf die jungen Frauen zurück, die sie einst waren? Der Film bringt beide Zeitebenen miteinander ins Gespräch: die Stimmen von damals und die Erfahrungen von heute, persönliche Entscheidungen und große historische Momente. So entsteht ein vielschichtiges Porträt von Frauenleben in zwei Gesellschaftssystemen – und ein berührendes Zeitbild deutsch-deutscher Geschichte.
Der Film feiert am 26. Oktober 2026 als Eröffnungsfilm des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig) seine Weltpremiere. Kuratorin Grit Lemke dazu: "„Eine kleine Flamme, die aufging und die Leute inspiriert hat, anders über die DDR zu erzählen.“ So beschreibt eine Protagonistin den Protokollband „Guten Morgen, du Schöne“ der Autorin Maxie Wander von 1977 mit Selbstauskünften ganz unterschiedlicher Frauen. Eines der erfolgreichsten Bücher der DDR und eines der wirkmächtigsten der deutschen Literaturgeschichte: Es hat Generationen von Frauen (und Männern!) geprägt und zur Selbstbefragung ermutigt – Grund genug für die Regisseurin, ein paar der Frauen heute auf das Buch und ihr Leben zurückblicken zu lassen.
Es geht um Gleichberechtigung und Emanzipation, Lebensentwürfe und Rebellion, Träume und Scheitern, Liebe und Sexualität, Mütter und Väter, Männer und Frauen, Glück und Einsamkeit, den Tod und vor allem den Hunger nach Leben. Susanne Schüle filmt mit Respekt und großer Zärtlichkeit Gesichter und Körper, in die sich die Zeit eingeschrieben hat. Alter und Schönheit, Zerbrechlichkeit und Stärke.
Die Erzählungen werden auf der Bildebene subtil von Amateuraufnahmen kommentiert: Körper im Stechschritt der Ideologien, Hitlergruß und Massenaufläufe. Dagegen immer wieder nackte Körper, das wilde und unangepasste Leben jenseits der Diktaturen. Krieg, Kartoffelschälen, Küsse, Kinder. So war das. So ist das. Am Ende führen die Monologe der Vergangenheit in einen heutigen Dialog der Geschlechter und Generationen. Eine Flamme."
Parallel zur feierlichen Eröffnung am 26.10. im Schauspiel Leipzig wird es um 20:30 Uhr in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs einöffentliches Screening von GUTEN ABEND, DU SCHÖNE geben. Der Eintritt ist frei.
Der deutsche Kinostart im Verleih von Salzgeber ist für den 14. Januar 2027 vorgesehen.

