Das Promotionsprojekt untersucht, wie Serien und Videospiele eine langfristige Bindung an antiheroische Figuren erzeugen, obwohl deren Handlungen durch Gewalt, Manipulation und moralische Grenzüberschreitungen geprägt sind. Im Zentrum steht die Frage, welche dramaturgischen, ästhetischen und interaktiven Verfahren diese Bindung ermöglichen und wie sie sich zwischen serieller Rezeption und aktivem Handlungsvollzug im Videospiel unterscheiden. Dabei wird auch die geschlechtsspezifische Codierung antiheroischer Figuren berücksichtigt.
Methodisch verbindet das Projekt eine vergleichende Analyse ausgewählter Serien und Videospiele mit einem künstlerischen Forschungsanteil. Schlüsselsequenzen aus House of Cards, Killing Eve, The Last of Us und Red Dead Redemption 2 werden hinsichtlich Perspektivierung, Vulnerabilisierung, moralischer Rahmung sowie Agency und Kontrollillusion untersucht. Parallel entsteht ein verzweigtes textbasiertes Computerspiel, in dem die Mechanismen von Figurenbindung, Entscheidungsmacht und erzählerischem Zwang praktisch erprobt werden.
Ziel ist die Entwicklung eines medienübergreifenden Modells der Figurenbindung, das erklärt, wie moralische Distanz überwunden und langfristige Involvierung erzeugt wird und welche Mechanismen dabei medienübergreifend beziehungsweise medienspezifisch wirken.
Zur Person
Georg Agardi ist Autor, Musiker, Dramaturg und Medienwissenschaftler. Nach einem Studium der Film- und Geschichtswissenschaft an der FU Berlin absolvierte er den Master Drehbuch/Dramaturgie an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF mit Auszeichnung. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Film, Serie, Games und wissenschaftlicher Forschung und beschäftigen sich mit moralischer Ambivalenz, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Figuren, die an deren Rändern stehen. Zu seinen Projekten zählen Kurzfilme, Serien- und Spielfilmstoffe sowie interaktive Erzählformate. Er erhielt u. A. nebst weiteren Nominierungen und Auszeichnungen 2023 den Sehsüchte-Preis für den Besten Pitch. Aktuell promoviert er wissenschaftlich-künstlerisch zur Figurenbindung an Antiheld*innen in Serien und Videospielen.


