Jamie Lee Moser: Atmosphärische Interferenz: Eine politische Ökologie der elementaren Medien zwischen Film und zeitgenössischer Kunst (AT)

Angebunden an das ERC-StG-Projekt „Cinematic Atmospheres: Towards a New Ecology of the Moving Image (CATNEMI)“, untersucht das Dissertationsprojekt eine politische Ökologie der elementaren Medien zwischen Film und zeitgenössischer Kunst.

Projektbeginn:
2025
 (öffnet Vergrößerung des Bildes)
© Jamie Lee Moser “Cloudy/Screens” (2025)

Im Rahmen des ERC-Forschungsprojekts Cinematic Atmospheres: Towards a New Ecology of the Moving Image (CATNEMI) widmet sich das Dissertationsprojekt einer politischen, materiell-affektiven Expressivität der elementaren Medien – z. B. Wasser, Luft, Wolken, Feuer – im Film und in der zeitgenössischen Kunst, im Sinne einer atmosphärischen Interferenz, um einer politischen Ökologie der elementaren Medien nachzugehen. Ausgehend von aktuellen Perspektiven der Medienphilosophie (De Luca, Kronberger, Somaini), der Atmosphärentheorie (Bruno, Hven/Yacavone) und der ökologischen Philosophie, einschließlich feministischer Perspektiven (Alaimo, Barad, Bennett, Neimanis, Povinelli), geht das Dissertationsprojekt von einer ‚elementaren‘ Denkweise in Bezug auf Medien aus, die ihre Relation zu den sozial-politischen Konstellationen stärker berücksichtigt, da diese in den medialen Umgebungen („mediated environments“) verhandelt werden. Der Schwerpunkt liegt auf filmischen Praktiken und deren Verbindung zu erweiterten ‚filmischen‘ und künstlerischen Praktiken in der zeitgenössischen Kunst (z. B. Skulpturen, Installationen), die somit nicht an bestimmtes Dispositiv gebunden sind (Buckley et al.).

Diese Überlegungen führen zu den zentralen Fragestellungen des Dissertationsprojekts: Wie erschaffen filmische Formen und Funktionsweisen („Modi Operandi“) eine politische Expressivität der elementaren Medien zwischen Film und zeitgenössischer Kunst? Auf welche Weise bilden filmische und künstlerische Praktiken eine politische Ökologie der elementaren Medien und inwiefern lässt sich dies in Relation zu einer ästhetischen Form der atmosphärischen Interferenz denken? Wie lässt sich in diesem Zusammenhang das ‚Elementare‘ in einem filmischen Sinne definieren? Und welche politischen, materiellen und affektiven Dimensionen gehen damit einher? Darüber hinaus setzt sich die Dissertation mit einem situierten ‚ökologischen Denken‘ (Code) und den politischen Implikationen auseinander, die mit der Definition von elementaren Medien und der Onto-Epistemologie einhergehen (Furuhata, Starosielski). Um diese Verbindungen untersuchen zu können, werden neue Modi der Analyse entwickelt, die mit der performativen Methode des Video Essays ergänzt werden.

Nach aktuellem Stand konzentriert sich die Analyse auf die Verschränkungen zwischen Umwelt und Gerechtigkeitsfragen, historischer Verantwortung und Kapitalismus (Machtverhältnisse) sowie auf folgende Relationen, die besonders mit den Wetterkonstellationen, oder Formen des „Weathering“, zusammenhängen (Neimanis/Walker): a) Verbindungen zwischen intersektionalem Feminismus, Wetter und Umwelt, wie z. B. in April (Kulumbegaschwili, 2024), die zu einem feministischen und politischen Modus des Elementaren in filmischen und künstlerischen Praktiken führen; b) Verknüpfungen zu zeitgenössischen künstlerischen Praktiken, wie die skulpturale Installation Living Dog Among Dead Lions (Chachkhiani, 2017), und zu experimentellen Filmpraktiken, wie Blue (Jarman, 1993), in denen sich die politische Dimension in die Materialität einschreibt und sich die ‚filmische‘ Funktionsweise des Elementaren unabhängig vom Dispositiv und der Technologie offenbart.

Anhand von Case Studies untersucht die Dissertation ein kritisches, interferierendes Potential der politischen Dimension von elementaren Medien (vorwiegend des Fiktionalen) im Film und in der zeitgenössischen Kunst, dabei sollen spezifische Verbindungen und Kontexte erörtert werden.

 

Zur Person

Jamie Lee Moser absolvierte ihren Master of Arts in Filmwissenschaft im Rahmen des Netzwerk Cinema an der Universität Zürich. Sie war studentische Mitarbeiterin beim Digital Humanities Projekt „Timeline of Historical Film Colors“ von Prof. Dr. Barbara Flückiger am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Nach dem Masterstudium war sie in der Kulturpraxis tätig, zuletzt bei interfilm Berlin und den Berliner Festspielen. Sie war Graduiertenstipendiatin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ist seit November 2024 akademische Mitarbeiterin und Doktorandin im ERC-Projekt „Cinematic Atmospheres: Towards a New Ecology of the Moving Image (CATNEMI)“ von Dr. Steffen Hven an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

Zur CATNEMI-Projektwebsite

ORCID-Profil

Kontakt: j.moser(at)filmuniversitaet.de