Wie erlangt digitale Kunst symbolischen und monetären Wert, und welche Rolle spielen dabei Medieninfrastrukturen, Plattformen und technologische Innovationen wie Blockchain? Diese Frage steht im Zentrum des Dissertationsprojekts, das Wertzuschreibungsprozesse im zeitgenössischen Kunstmarkt aus medienwissenschaftlicher Perspektive untersucht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Kunstbewertung kein rein ökonomischer Vorgang ist, sondern ein mediatisierter Prozess: Sichtbarkeit, Wiederholung und institutionelle Rahmung bestimmen, welche Signale glaubwürdig wirken und Vertrauen erzeugen.
Innerhalb von Aufmerksamkeitsökonomien wird Sichtbarkeit von Marktteilnehmern als Zeichen von Bedeutung gelesen und entsprechend bewertet. Technologische Infrastrukturen, wie Blockchain, haben diese Dynamiken nicht nur sichtbar gemacht, sondern verstärkt und auf nicht-tokenisierte digitale Kunst ausgeweitet, mit messbaren Folgen für Preisbildung und Marktstruktur.
Methodisch verbindet die Studie eine medientheoretisch fundierte Analyse von Marktberichten, Plattformdaten und journalistischer Berichterstattung mit der Übertragung der Signaling-Theorie auf den digitalen Kunstmarkt im Rahmen von Medientheorie und Affekttheorie. Ziel ist die Entwicklung eines erklärenden Modells, das aufzeigt, wie Vertrauen, Aufmerksamkeit und symbolische Autorität durch Medienstrukturen produziert und zirkuliert werden und welche Konsequenzen dies für Zugang und Transparenz im Kunstmarkt hat.
Zur Person:
Viktoria Sophia Charlotte Hilsberg ist Medienwissenschaftlerin und Doktorandin an der Filmuniversität Babelsberg. Sie hat u. a. in Leipzig, Berlin und Barcelona studiert und publiziert regelmäßig zu Kunstmarkt, Medientheorie und digitaler Kultur. Ihr Aufsatz „Invisible Labour, Visible Value" erschien 2025 in Navigationen. Als Co-Founder von archora begleitet sie die digitale Transformation von Kulturinstitutionen in Europa. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Perspektive mit Marktpraxis, u. a. als Gallery Relations Managerin bei der POSITIONS Berlin Art Fair.

