Medeas Nightmare 2.0

Projektbeginn:
2015

Mit dem künstlerischen Forschungsprojekt Medeas Nightmare 2.0 erforschte der Masterstudent Lukas Ladner (Drehbuch/Dramaturgie) systematisch die Frage, wie man hyperkomplexe Inhalte und Aussagen auch dem allgemeinen Publikum klarer transportieren kann. Wie und vor allem mit welchen Mitteln genau kann man sehr abstrakte Informationen vermitteln, ohne die Aufmerksamkeit der Zuschauer*innen noch die Tiefe des Textes zu verlieren?

Ausgangspunkt seiner Forschungen ist die mythologische Figur der Medea, die über die Schablone von Heiner Müllers Hamletmaschine gelegt wird. Texte dieser Art sind ein komplexes Verweis- und Referenzspiel, das sich schwer einer dramatischen Umsetzung unterordnen lässt. Während ihre Lekture schon mehrere Anläufe benötigt, um in der Tiefe erfasst zu werden, stellen sie im Theaterkontext meist eine ungewollte Überforderung fur die Zuschauer*innen dar. In Anlehnung an Heiner Müllers Sprachverwendung entwickelt Ladner im Rahmen dieses Forschungsprojekts eine grundsätzliche küstlerische Methode für die Darstellung komplexer Stoffe dieser Art.

In mehreren systematisch organisierten und dokumentierten Forschungsschritten tastete sich das Projekt an Methoden und die Aufführung heran. Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit dem Text aus dem die einzelnen dramatischen und thematischen Ebenen herausgelöst werden. Anschließend wurden in mehreren exemplarischen Bearbeitungen des Textes die einzelnen künstlerischen Ebenen im Experiment erprobt. Durch schrittweises Hinzufügen wurde das Wirken der einzelnen Kunstformen auf den Ausgangstext beobachtet. Hierbei war das Ziel eine multimediale, dramatische Inszenierung des Textes zu erarbeiten, die durch den gezielten Einsatz mehrerer Kunstformen (Schauspiel, Film, Musik, Körperlichkeit) die Denkprozesse des Textes auch für das Publikum lesbar macht, ohne über Vorwissen verfügen zu müssen.

Am Ende dieses Prozesses lag eine Bühnendarbietung, die während des Dramatiker-Festivals Innsbruck 2016 und im Dezember 2017 an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF aufgeführt wurde. Das Stück war für den  Österreichischen Musiktheaterpreis 2017 nominiert.