Ring. Ein experimenteller Kurzfilm zur Ästhetik von Zeit im Film

Projektbeginn:
2017

Ring ist ein 10-Minuten Experimentalfilm mit 20 festgelegten Einstellungen, jede 30 Sekunden lang. Sie werden entlang der 37,5 km langen Ringbahn-Strecke aufgenommen, die die S41-S42 als Kreis um das Berliner Stadtzentrum formt.

Camila Mercadal und Renato Pérez haben sich diese rigide formale Struktur explizit gesucht, um Zeit als rohes Material im Film in ihrer Relativität und Qualität wie auch in ihrer cinematografischen Form erforschen zu können. Die Kreisform der Ringbahn ohne Anfang und Ende, steht für die Idee von Unendlichkeit, soll ein Gefühl des Fließens wie auf Reisen evoziieren. Externe statische Aufnahmen sollen gemäß der festgelegten Struktur alle 30 Sekunden den Bilderfluss durchbrechen. Sie ahmen inhaltlich das Stop and Go der S-Bahnfahrt nach und stellen gefilmte Bewegung dem statischen Bild gegenüber. Kurze und lange Bildsequenzen sollen durch diese Gegenüberstellung den internen Rhythmus offen legen und ihre formale Ästhetik als (Zeit-) Struktur wahrnehmbar machen. Die strenge Form des Experimentalfilms möchte durch narrative Reduktion elementare Grundformen der Filmsprache zur Darstellung und Wahrnehmung von Zeit als Struktur offen legen und darin Aspekte der Wirkästhetik audiovisuell thematisieren und beobachtbar machen.

Die Qualität filmisch erfahrbarer Zeit wird anhand des klassischen Motivs der Reise hier als unendlich wiederkehrende tägliche Bewegung auf dem Berliner S-Bahn-Ring untersucht.

Mehr als 400.000 Nutzer der S41-S42 sehen täglich eine ähnliche Stadtlandschaft und zwar immer im gleichen Takt der S-Bahn. Camila Mercadal und Renato Pérez entwerfen mit Ring eine künstlerische Perspektive, die den S-Bahnbesucher zum bewußten Beobachter seiner Umgebung machen soll, der in der täglichen S-Bahn-Fahrt Film- und Bildtexturen in der Stadtlandschaft bewußt erkennt: Ring erzwingt ein Anhalten, eine Verlangsamung gewohnten Sehverhaltens, lenkt den Blick auf neue Kombinationen von Bewegung, eröffnet ungewohnte Perspektiven auf Rahmung, Farbe und Struktur der vorüberfahrenden Stadtlandschaft durch die Formalisierung des Blicks in genormter filmischer Zeit. Ring setzt den Standpunkt des Beobachters mit der bewegten Landschaft ins Verhältnis, dessen Qualität eben nicht statisch, sondern bewegt ist. Bewegung im Raum als wesentliches Element von Zeit soll in Ring in seiner formalen, strukturellen und visuellen Ästhetik untersucht werden. Die Flüchtigkeit des Moments, das unaufhaltbare Vorüberziehen des Filmbildes soll dabei als zentrale narrative Qualität von Zeit im Film formal und ästhetisch beschreibbar werden.