IKF-News

Die IKF-Förderpreise gehen 2026 an...

Im Januar hat das Institut für künstlerische Forschung der Filmuniversität die von der Präsidentin ausgelobten Förderpreise für künstlerische Forschung bereits zum 10. Mal vergeben. Der Preis fördert innovative und experimentelle Vorhaben von Studierenden, Promovierenden und akademischen Mitarbeiter*innen.

 (öffnet Vergrößerung des Bildes)
© Paul F. Hordych 2026, IKF

 

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! 

Florencia Almirón (Promovendin im wissenschaftlich-künstlerischen Programm), Yewon Seo (MA Regie), Dan Gatzmaga (MA Montage), Tizian Erlemann (MA Szenografie) sowie Kaya Kunert (BA Szenografie) & Leah Meinhof (BA Regie) überzeugten die Jury und erhalten in den kommenden 12 Monaten finanzielle Unterstützung und Begleitung bei der Umsetzung ihrer Forschungsvorhaben. Erstmals wurde ein Zusatzpreis für das beste Auswertungs- und Präsentationskonzept verliehen, er ging an das Projekt „Fragmente der Freiheit“. 

Im Rahmen der festlichen Verleihung wurden die Projektideen gewürdigt, gefolgt von einer Ausstellung der künstlerischen Forschungsprojekte aus dem letzten Förderjahr, einem Babelsberger Buchsalon Spezial und dem gemeinsamen Neujahrsempfang von IKF, Forschung & Transfer. 

 

Fragmente der Freiheit

Das multimediale Forschungs- und Ausstellungsprojekt von Leah Meinhof (BA Regie) und Kaya Kunert (BA Szenografie) beleuchtet die existenzielle Zwangslage von Frauen, die zwischen kultureller Tradition und persönlicher Freiheit gefangen sind. Im Zusammenspiel von Regie und Szenografie wird ein immersiver Raum entwickelt, der Musik, Fotografie, Film und Interviews verbindet, um die Realität und Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C) sichtbar zu machen. Die zentrale Frage des Ausstellungskonzepts, für das die Jury einhellig den Zusatzpreis vergeben hat, lautet: „Kommen wir ins Gespräch mit der Community, mit Aktivist*innen, mit Betroffenen? Wie werden Perspektivwechsel – Fragmente der Freiheit – möglich?“

In absentia

Dan Gatzmaga (MA Montage) erforscht die digitale Repräsentation der Erde und untersucht den simulierten Raum auf die Abwesenheit von Menschen. Begriffe wie Meatspace vs. Cyberspace verweisen noch auf zwei Welten, die in einem Spannungsverhältnis stehen: Aber können wir tatsächlich noch von einer Trennung zwischen der physischen Welt und der virtuellen Welt sprechen? In absentia versucht, durch künstlerische Mittel einen neuen erzählerischen Erfahrungsraum zu generieren. Das Ergebnis seiner digitalen Feldforschung wird u.a. im Research Catalogue der Society for Artistic Research präsentiert. 

Fractured Earth

Fractured Earth ist eine dreikanalige Videoinstallation, die Diffraktion als künstlerisches und theoretisches Verfahren einsetzt, um filmische Porträtkunst neu zu konfigurieren und jede kohärente Position des Betrachters zu destabilisieren. Mit Schlamm als materieller Achse und der Gegenüberstellung von dokumentarischen und spekulativen Zeitlichkeiten untersucht Florencia Almirón (Promovendin im wissenschaftlich-künstlerischen Programm) mit ihrer Installation die Spannungen zwischen Arbeit, Ökologie und ländlicher Prekarität und schlägt ein posthumanes Modell des Films vor, das auf ontologischer Unbestimmtheit basiert.

Der Körper, der sich erinnert – Bewegung als Archiv biopolitischer Kontrolle

Das Forschungsprojekt untersucht, wie staatliche Macht sich in Haltungen, Gesten, als Körpergedächtnis biopolitisch sedimentiert und wie diese Normierungen durch Körperbewegung sichtbar, lesbar und dann auch verhandelbar gemacht werden können. Der Körper, der sich erinnert – der Titel des Projekts beschreibt zugleich diese Forschungsfrage, die Methodik und das Instrumentarium der Transformation: Yewon Seo (MA Regie) arbeitet mit Bewegungsanalysen und Improvisationen und entwickelt – gemeinsam mit Tänzerinnen einer traditionellen Gruppe in Korea und mit Performer*innen in Berlin – choreografische Settings und ein transformatorisches Bewegungsarchiv, audiovisuell dokumentiert. Der Körper, der sich erinnert, bestimmt, welche Erfahrungen in Bewegungen archiviert werden – der Körper, der diese Bewegungsmuster tanzt, sie differentiell wiederholt, schreibt diese Erfahrungen zugleich um. 

Der Pantograf in 3D: Bewegung im Raum

Ein Pantograf ist ein Instrument zur maßstabsgetreuen Übertragung von Bewegungen. Die Entwicklung und Erprobung dieses Apparats für eine dreidimensionale Übersetzung von Bewegung in Form ist zugleich Forschungsgegenstand und Werkzeug der künstlerischen Untersuchung von Tizian Erlemann (MA Szenografie). Der mechanische Versuchsaufbau ermöglicht es, Bewegungen mithilfe von Übersetzung in einen vergrößerten Übertragungsbereich auszuführen. Auf diese Weise lassen sich räumliche Bewegungen gezielt wiedergeben und analysieren. Ziel des Projekts ist die experimentelle Erforschung der Zusammenhänge von Bewegung und Form sowie von Raum und Zeit in vier Versuchsanordnungen – mittels Lichtmalerei, mit Farbe auf Fläche als visuelles Bewegungsprotokoll, mit dem Auftrag von Materialschichten für dreidimensionale Körper sowie mit flüchtigen, abstrakten Strukturen aus Wasser oder Sand.

Wir gratulieren allen Preisträger*innen und freuen uns jetzt schon auf die Präsentation der fertigen Projekte!

Auf die festliche Verleihung folgte die Ausstellung der Projekte aus dem letzten Förderzyklus in 2 Kinos, einem Tonstudio und dem Atrium der Filmuniversität. Anna Beek, Honorata Szulakowska, Nora Beyer und Dina El-Zeneiny zeigten uns in ihrer Zweikanalinstallation „Divided Island: Elephantine“ die postkolonialen Dynamiken des Luxustourismus und die ungleichen Verteilungen von Raum und Macht. João Prado, Jacky Lai und Anton Buzal nahmen uns mit ihrem Desktop-Dokumentarfilm mit in eine erschreckend jugendliche Welt „Von Likes und Lügen: Die digitale Macht der AFD“. Alexander Walmsley eröffnete uns mit seiner Filminstallation „Tropical Depression“ Einsichten in die verschwimmend feine Linie zwischen datenbasierten Informationen und Simulationen über das Klima, hier anhand tropischer Zyklone. Und Sebastian Sánchez entführte uns mit seiner aus Natur-Tönen komponierten „Arctic Symphony“ in die unberührte Natur der Nordwestpassage von Grönland, über den kanadischen Archipel bis nach Alaska und tief unter die Wasseroberfläche zu berstenden Eisbergen. 

Zum Abschluss des Abends las Hans Neubauer in der Bibliothek aus seinem Buch „Männer aus Moabit: 66 Szenen voller Witz und Alkohol“, passend dazu gab es Wein und Ginger Ale beim Neujahrsempfang von IKF, Forschung & Transfer. 

Vielen Dank an alle für den gelungenen Abend!

 

Mit den Förderpreisen für künstlerische Forschung, gestiftet von der Präsidentin der Filmuniversität, Prof. Dr. Susanne Stürmer, unterstützt das Institut für künstlerische Forschung Projekte, die ihr Medium, den Film, nicht nur nutzen, sondern herausfordern; Projekte, die filmisches Erzählen mit den Mitteln des Films weiterentwickeln, indem sie in ihrer Ästhetik Schichten der Produktion offenlegen, Reibungen zwischen den Künsten, Gewerken und Technologien zulassen und diese damit in ihrer Eigenständigkeit wie in ihrer Widerständigkeit zeigen oder die Zusammenarbeit reflektieren; Projekte, die sich gesellschaftlichen Herausforderungen stellen und den Umgang damit transformieren wollen. 

Übersicht aller Förderpreisprojekte seit 2015

 

Kontakt