Zentrum Jüdischer Film & Audiovisuelles Erinnern

Das Zentrum für Jüdischen Film und Audiovisuelles Erinnern (ZJF&AE) wird von Lea Wohl von Haselberg, Daniela Schlütz, Chris Wahl und Björn Stockleben als Forschungs- und Transferzentrum an der Filmuniversität Babelsberg gegründet und am 4. März 2026 offiziell eröffnet. Wir widmen uns der wissenschaftlichen, künstlerischen und technologischen Forschung, der Beratung, Kuratierung, Vernetzung, Fortbildung und Lehre. Inter- und transdisziplinär ausgerichtet und transferorientiert steht die Arbeit am ZJF&AE auf drei thematischen Säulen: Neben Jüdischer Filmforschung sowie Audiovisueller Erinnerung kommt als drittes Themenfeld Antisemitismus und Film hinzu. Als Transferzentrum entwickeln wir daraus zudem konkrete Formate für Kuratierung, (Weiter-)Bildung und den öffentlichen Dialog.

Das Zentrum wird in den kommenden Jahren aufgebaut. Wir freuen uns über Interesse und Kooperationsanfragen.

Jüdische Filmforschung

Der populäre Begriff „Jüdischer Film“ erweist sich für die wissenschaftliche Forschung als doppelt problematisch: Er ist sowohl zu eng als auch zu unscharf. Zu eng ist er, weil er ein vermeintlich festes Filmkorpus suggeriert und dabei die gesamte Filmkultur – von Produktion und Rezeption über Filmfestivals bis hin zu Archiven – sowie die historischen Bedingungen, unter denen jüdische Filmgeschichte geschrieben wird, ausblendet.
Zu unscharf ist er, weil meist unbestimmt bleibt, worin die „jüdische“ Identität eines Films liegt: in seinen Figuren, seinen Filmschaffenden oder seiner Rezeption?

Daher versteht das ZJF&AE Jüdische Filmforschung als ein interdisziplinäres Projekt an der Schnittstelle von Jüdischen Studien, Film- und Medienwissenschaft unter gezielter Einbeziehung weiterer Disziplinen wie der Geschichts- und Kommunikationswissenschaft oder den Memory Studies.

Im Zentrum der Forschung steht die Untersuchung aller relevanten Ebenen: der Produktionskontexte, der filmischen Darstellungsformen, der Rezeptionsgeschichte sowie immer auch der Diskursivierung in Form von kulturellen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit jüdischem Film. Jüdische Filmforschung meint dabei nicht nur die wissenschaftliche Forschung, sondern integriert auch Ansätze der technologischen oder künstlerischen Forschung.

Dieser multiperspektivische Ansatz bildet den Kern der Forschungs- und Transferarbeit am Zentrum. Er steht im Dialog mit den Jewish Visual Culture Studies und wird durch unsere beiden weiteren Schwerpunkte – audiovisuelle Erinnerung sowie Antisemitismus und Film – systematisch erweitert und kontextualisiert.

Audiovisuelles Erinnern

Kollektive Erinnerung wird seit dem 20. Jahrhundert maßgeblich durch Medien geprägt – wobei audiovisuellen Medien eine zentrale Rolle zukommt.
Der Spielfilm ist als wirkmächtiges Erinnerungsmedium breit erforscht; aktuelle Studien belegen, dass seine Bedeutung für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nach wie vor groß ist. Ebenso essentiell ist der dokumentarische Film, sei es als historische Quelle, als zeithistorische Betrachtung oder als bewahrendes Medium, wie in den Zeitzeugenarchiven. Zunehmend treten digitale und immersive Formate hinzu, die mit bewegten Bildern neue Räume für Erinnerungsarbeit eröffnen und neue Publika zu adressieren versuchen.

Das ZJFAE untersucht diese vielschichtige Medialität des Erinnerns in der ganzen Breite, sowohl in Bezug auf die zu erinnernden historischen Ereignisse als auch in ihren medialen Formen – Auseinandersetzungen mit NS-, DDR-, Kolonial- oder Migrationsgeschichte sowie die Erinnerung an rechte Gewalt in Deutschland können dabei ebenso Gegenstand sein wie die Frage, wie audiovisuelle Medien zur Selbstverständigung einer diversen Gesellschaft über ihre Vergangenheit(en) beitragen können.

Als Transferzentrum entwickeln wir daraus zudem konkrete Formate für Kuratierung, (Weiter-)Bildung und den öffentlichen Dialog.

Antisemitismus und Film

Das Verhältnis zwischen Jüdischem Film und Antisemitismus ist vielschichtig. Antisemitismus wird sichtbar in der filmischen Darstellung jüdischer Figuren, betrifft aber auch jüdische Filmschaffende in ihren Arbeitskontexten, äußert sich im Kinosaal und durchzieht die Filmkultur. Zugleich haben jüdische Filmschaffende und Akteur*innen immer wieder auf Antisemitismus reagiert – ihn kommentiert, beschrieben und herausgefordert.

Antisemitismus berührt somit verschiedene Bereiche der Jüdischen Filmstudien, geht aber gleichzeitig über sie hinaus: Er existiert auch ohne jüdische Figuren im Film und verweist stets auf die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft als Trägerin des Ressentiments.

Daher untersucht das Zentrum „Antisemitismus und Film“ in einer doppelten Perspektive: als integralen Teil der jüdischen Filmgeschichte und als eigenständiges, gesellschaftlich relevantes Forschungsfeld.

Unsere Aktivitäten reichen dabei über die Forschung hinaus: Wir wirken mit Fortbildungs- und Beratungsangeboten in die Filmuniversität sowie in Gesellschaft, Kultur und Politik hinein.