Festival

Retrospektive des 54. internationalen Studierendenfilmfestivals „Sehsüchte“

Retrospektive 2025: Beyond Expectation I & II

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Die diesjährigen Kuratorinnen der Retrospektive sind Judith Fröhlich, Johanna Pohland und Maria-Sophie Jenkel. Sie haben zwei Programme zusammengestellt:

Beyond Expectation I
Animation in all ihren Facetten: Ein analog und digital projiziertes Kaleidoskop sprengt Konventionen – exzessiver Konsum, der menschliche Eingriff in die Umwelt und eine surreale Reise in innere und äußere Abgründe. Beyond Expectation I zeigt die Bandbreite des Animationsgewerks – mit Alumni und Q&As.

Filme:
­ Dantes Inferno (D 2024 / Experimental / 3’): Im Experimentalworkshop entstand dieses Projekt, das Archivmaterial von „L’Inferno“ (1911) mit modernen Animationstechniken kombiniert. Durch Layering von Filmausschnitten geht es durch die neun Kreise der Hölle.

­ Cherchez la femme (D 2002 / Experimental / 12’): In Daniel Höpfners schauriger Literaturverfilmung erforscht eine Frau die Tiefen ihrer Psyche auf der Suche nach dem Licht. Ein atmosphärisches Werk, das durch ein beeindruckendes Zusammenspiel von Puppentrick und Sound besticht. (35mm Vorführung)

­ Eat my Dream (D 2015 / Experimental / 9’): In einer Fischfabrik tänzelt der menschliche Eingriff in die Natur mit der einmaligen Landschaft Nordeuropas zu einer visionären Filmmusik. Selten wurde der Tanz des Todes so poetisch inszeniert wie in dieser dokumentarischen Pixilation.

­ Disbelief will save your soul (D 2008 / Experimental / 12’): Eine düstere, sarkastische 3D-Animation über Reizüberflutung und Medienkonsum: Ein alter Mann verliert sich in der Materialfülle hinter der flimmernden Mattscheibe. Ein trüber Kommentar zum modernen Medienchaos – aktueller denn je. (35mm Vorführung)

­ Fish Soup (D 2006 / Animation / 10’): Was, wenn das Mittelmeer zur Fischsuppe wird? Dokumentarische Fiktion und Animation vereinen sich zu einer Videocollage, die als visuelles Rezept dient, in dem sich Massentourismus, Konsum und Klimakrise vermengen.

­ Das Hemd (D 1997 / Animation / 6’): Wie weit kann sich ein Mensch gewordenes Hemd überfressen bis es platzt? In ihrer Mischung aus Stop-Motion und Pixilation reflektieren Alberto Couceiro und Alejandra Tomei den absurden Kreislauf kapitalistischen Konsums. (35mm Vorführung)

­ Die Meuterei der dreiundzwanzig Nacktschnecken auf dem Grabstein von Theodor W. Adorno (D 2004 / Animation / 7’): Spektakulär vereinen sich in diesem abstrakten Spiel aus Form, Farbe, Licht und Musik des Babelsberger Filmorchesters Bild und Ton in einer Synchronität, die das Publikum in einen hypnotischen Bann zieht.

 

Beyond Expectation II

Was passiert, wenn Animation Zeit, Raum und Realität sprengt? Sechs experimentelle Filme aus dem Hochschularchiv – analog und digital projiziert – entfalten dystopische Bildwelten, poetische Reflexionen und surreale Körperlichkeiten. Q&As mit den Alumni runden das Programm ab.

Filme:

­ Flugzeuggefühle (D 2025 / Experimental / 3’): Abjekte Körperlichkeit und Kontrollverlust: Der Kurzfilm dekonstruiert das Bild der Flugbegleiterin, die unerwartet ihre Periode bekommt, und bricht mit Normen weiblicher Darstellung durch Stop-Motion und digitale Überlagerungen.

­ Somnambule (D 2007 / Animation / 8’): Eine nachtwandelnde Frau kommuniziert mit ihrem unheimlichen Alter Ego – schaurig und voller Fantasie visualisieren Stephanie Keitz und Gudrun Krebitz in ihrer Pixilation die menschgewordene Gier in einem poetisch-abstrakten Werk. (35mm Vorführung)

­ TV-City (D 2003 / Animation / 27’): Was, wenn die Bildschirme schwarz bleiben? Die dystopische Stop-Motion-Animation über eine fernsehsüchtige Metropole zeigt, was passiert, wenn ein Fehler das System lahmlegt. Ein Puppentrickfilm über Medienmacht und Manipulation. (35mm Vorführung)

­ RECORDARI (D 2024 / Animation / 10’): Camilas und Paulas farbenfrohe Kindheit wird ihnen im Chile der Achtzigerjahre durch die Pinochet-Diktatur geraubt. In ihrer berührenden Erzählung kreiert Carolina Cruz eine Ode an die Freiheit, das Leben und den Puppentrick.

­ Wandernd Haus voll Vogelwasser (D 2011 / Experimental / 10’): Veronika Samartseva lässt uns durch die Tiefen innerer Landschaften in eine Welt abtauchen, die mit einer vielschichtigen Legetrick-Raffinesse besticht. Eine Reise in die Bedeutung von Emotionen und zwischenmenschlichen Beziehungen. (35mm Vorführung)

­ Tauro (D 2002 / Animation / 4’): Zwischen Hieroglyphen, Sternbildern und Kupferstichen wird ein Stier durch mehr als 10.000 Jahre Geschichte gejagt. Untermalt von treibender Musik, präsentiert dieser rasante Zeichen- und Legetrickfilm ein Panorama visueller Stile. (35mm Vorführung)

 

Seit 2016 findet in Kooperation mit dem Masterstudiengang Filmkulturerbe jährlich eine Retrospektive im Rahmen des Festivals Sehsüchte statt. Das Programm speist sich hauptsächlich aus dem umfangreichen, hochschuleigenen Filmarchiv, das die Produktionsgeschichte der Filmuniversität von den 1950er Jahren bis heute abbildet. Das Programm bringt nicht nur ältere Filme aus dem Archiv wieder ans Licht, sondern aktualisiert ihre Bedeutungen und ästhetische Erfahrbarkeit durch die Programmrahmung.