Sie hat der Ruf an die Filmuniversität als Professorin für Filmproduktion ereilt – hat der Kinofilm eine Zukunft?
Am Kinofilm fasziniert mich, dass er über der Zeitachse schwebt. Für meine Kinder sind Filmklassiker wie „Nosferatu“ eine Neuentdeckung – besonders als 35mm Projektion, bei der das Hirn aktiv mitwirkt, um die beim Weitertransport des Zelluloids entstehenden Schwarzbilder zu ergänzen.
Ob Filme ihre Zeit überdauern, hängt nicht nur von ihrer Qualität ab, sondern auch davon, ob wir sie in den Dialog mit nachfolgenden Generationen bringen. Dabei verändern sich Sichtweisen und werden durch neue Perspektiven ergänzt. Meine Initiative FILM MACHT SCHULE stiftet Filmschaffende und Produzierende an, diese Prozesse und, ja, auch die Zukunft des Kinos mitzugestalten.
Gibt es etwas, das Ihnen in der Lehre besonders viel Spaß macht?
Vielleicht ist meine Antwort vorhersehbar: Seminare, die im Kino stattfinden. Ich empfinde es als Privileg, an einer Uni zu sein, an der ich eigenständig eine Projektion vom Cache bis zum 7.1 Ton steuern kann. Wenn die Filme, auf die wir uns im Kurs beziehen, in der Bibliothek für alle bereitstehen, beflügelt das meine Lehre. Aktuell nutze ich unter anderem den Kurzfilm „Suspense“ von 1913 und zwei Debütfilme: die irische Produktion „A Quiet Girl“ und „Piaffe“, produziert von einer Filmuni-Alumna.
In der Projektarbeit erkunde ich gern mit Studierenden, wie sich ihre Ideen im Kontext bestehender Werke und Produktionsweisen entwickeln und sich dann möglichst smart umsetzen lassen. Verlassen wir dabei bekanntes Terrain, wird es umso spannender. Mit Erwartungen zu spielen, macht mir Spaß, weswegen ich in den von mir produzierten Filmen mit diversen Genres transgressiv experimentiert habe. Kleiner Tipp: Meine Filme gibt es auch fast alle in der Bib.
Was ist Ihnen für die Anfangszeit besonders wichtig?
Mein Credo: Lasst uns den Rahmen des Möglichen erweitern. Das kann bedeuten, Zugänge zu schaffen: So öffnen wir die Reihe TENDENZEN für Gasthörende und bringen sie als Podcast heraus. In der bereits verfügbaren Sammelfolge befrage ich verschiedene produzentische und kuratorische Persönlichkeiten zum Thema PURPOSE. „Wozu der Schweiß?“ ist meines Erachtens eine notwendige Frage, um Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und unsere Ressourcen mit Bedacht einzusetzen. Aktuell sprechen wir über künstlerische Praxis und wie sich ihre Qualitäten ohne Kriterienkataloge greifen lassen.
Darüber hinaus ist mir das interdisziplinäre Miteinander besonders wichtig. Mich begeistert, wie vielfältig und zugleich verbunden sich die Filmuni aufstellt – und ich trage gern dazu bei.

