Filmuni-News

Wir trauern um Henrike Naumann

Die Installationskünstlerin und Filmuni-Alumna starb am 14. Februar in Berlin.

 (öffnet Vergrößerung des Bildes)
Henrike Naumann in ihrem Studio 2020

Die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF trauert um Henrike Naumann. Die 1984 in Zwickau geborene Installationskünstlerin verstarb - wie ihre Familie mitteilte - “nach einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung im Kreis ihrer Familie und Freund:innen in Berlin”. 

Henrike Naumann studierte Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bevor sie 2008 an die Filmuniversität Babelsberg wechselte, um ein weiteres Studium in Szenografie zu absolvieren. Schon zu der Zeit prägte die konzeptionelle und ästhetische Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen und ein experimentelles Medienverständnis die Arbeit der Medienkünstlerin. So auch in ihrem Diplomprojekt Triangular Stories, mit dem sie 2012 das Studium abschloss. Die Videoarbeit ist eine persönliche Auseinandersetzung mit den faschistischen Tendenzen in ihrer alten „Heimat“ Zwickau, wo der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) im bürgerlichen Untergrund lebte, sowie mit dem hedonistischen Selbstoptimierungsdrang ihrer Generation, zu deren Spiegel das veraltete Medium VHS (Video Home System) wird. 

Nicht nur der Rechtsradikalismus wird im Laufe ihrer vielfältigen künstlerischen Arbeit ein Thema bleiben, sondern auch das Arrangement von Möbeln und Objekten zu szenografischen Räumen, in welche sie Video- und Soundarbeiten integriert. „Für mich als Künstlerin ist alles politisch“, sagte Naumann 2023 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.  Immer wieder aufs Neue reflektiert sie dabei gesellschaftliche Umbrüche, das Reibungsverhältnis entgegengesetzter politischer Meinungen sowie die Mechanismen der Radikalisierung aber eben auch die Rolle von Alltagskultur, Architektur und Design als Träger politischer Bedeutung, wie z.B. in ihrer vielbeachteten Ausstellung im SculptureCenter in New York, in der sie sich mit der Rolle beschäftigte, die die Möbel beim Sturm auf das US-Kapitol in Washington 2021 gespielt haben. Weitere wichtige Ausstellungen ihrer Werke fanden u.a. im Busch-Reisinger-Museum in Harvard, im MoMA in Warschau, im Haus der Kunst in München, im Deutschen Bundestag, sowie im Rahmen der Ghetto Biennale in Haiti und der Kyiv Biennale in der Ukraine statt. 

Für ihr Werk wurde Henrike Naumann mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium, der Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau, der Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung sowie das Villa Aurora Stipendium / Thomas Mann House, Los Angeles. Erst vor wenigen Monaten war sie  gemeinsam mit Sung Tieu als Gestalterin des Deutschen Pavillons bei der Kunstbiennale 2026 in Venedig ausgewählt worden, die neben der Documenta in Kassel als wichtigste Präsentation zeitgenössischer Kunst gilt. "Mit Henrike Naumann verlieren wir nicht nur eine bedeutende Vertreterin der deutschen Gegenwartskunst, sondern auch eine warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit", reagiert das für den Pavillon zuständige Institut für Auslandsbeziehungen auf die Nachricht. "Ihre Stimme war einzigartig in der deutschen und internationalen Kunstszene, sie wurde dringend gebraucht. Dass sie nun fehlt, bleibt unfassbar", schreibt monopol

Viel zu früh musste sie gehen - ihr Werk wird bleiben! 

Unser tiefstes Mitgefühl gilt ihrer Familie.