Von den gut 70 Filmen, in denen Ellen Richter zwischen 1913 und 1933 mitspielte, ist nur ein Bruchteil überliefert. Mit dem wachsenden Interesse an Frauen in der Filmgeschichte ist es in den letzten Jahren gelungen, mehrere ihrer Filme mit Hilfe öffentlicher und privater Förderung zu restaurieren und ihr Werk wieder sichtbar zu machen. Am Anfang dieses neuen Interesses an Ellen Richter stand 2019 ein von der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF unterstützter internationaler Workshop.
„Meine Eltern waren jüdische Bürgersleute aus Ungarn, die aus mir eine brave Hausfrau machen wollten. Wie groß war ihre Verwunderung, als ihre Tochter ihnen einige Jahre später mitteilte, dass sie Schauspielerin werden wolle“, erinnert sich Ellen Richter 1928 an ihre Anfänge. Zu diesem Zeitpunkt ist Ellen Richter – geboren am 28. Juli 1891 als Käthe Weiß in Wien – einer der populärsten Stars des Weimarer Kinos. Auch international hat sie viele Anhänger. Ihr Name steht für Witz und Charme, für eine neue Weiblichkeit, furchtlos, abenteuerlustig, eigensinnig. Stets mobil und modebewusst. Oft blitzt bei aller Emotionalität eine leicht ironische Auffassung ihrer Rollen durch, eine lässige Souveränität.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten hatten Richter und Wolff als Juden Berufsverbot. 1935 emigrierten sie nach Österreich, 1938 weiter nach Frankreich und 1940 in die USA. Nie wieder trat Ellen Richter im Film auf. Ab den 1950er Jahren lebte sie zurückgezogen in der Schweiz und starb am 11. September 1969 in Düsseldorf.
Philipp Stiasny und Oliver Hanley, beides ehemalige Mitarbeiter der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, haben Leben und Werk dieser außergewöhnlichen Filmkünstlerin und Unternehmerin gründlich erforscht. Ihr reich bebildertes Buch Ellen Richter. Die große Unbekannte des Weimarer Kinos erschien Anfang 2026 in Wien im Verlag von SYNEMA. Neben den Texten von Philipp Stiasny und Oliver Hanley enthält das Buch kurze Vignetten von Mila Ganeva, Anjeana K. Hans, Katharina Loew, Tobias Nagl sowie von Michael Wedel, Professor für Mediengeschichte im digitalen Zeitalter an der der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

