Die Akteure vor der Kamera sind für die Dokumentarfilmpraxis von größter Bedeutung. Mit ihnen steht und fällt das Gelingen des Films. So unterschiedlich wie ihre Bezeichnungen sind ihre Rollen im Dokumentarfilm. Protagonist*innen sind Produkte einer Vielzahl von getroffenen filmpraktischen und narrativen Entscheidungen, angefangen beim Zeitpunkt der Filmaufnahme bis hin zur Anordnung des ausgesuchten Materials in der Montage. Strategien der „Authentisierung" liegen dabei in der Hand der Filmschaffenden. In der Art und Weise, wie Regiepersonen die Protagonist*innen einführen, wie sie durch Bildgestaltung, Montage und raumzeitliche Auswahl konstruiert werden und welche Rolle sie erfüllen sollen, beeinflusst die Erzählinstanz das „Authentischsein“ der Akteure vor der Kamera.
Neben den filmischen Strategien der Filmproduzent*innen ist das bewusste und unbewusste Sich-Darstellen der Protagonist*innen ausschlaggebend für ihre Authentizität. Mimik und Körpersprache, Schweigen oder ausweichende Antworten signalisieren den Zuschauer*innen, ob die Glaubwürdigkeit des Gesagten gegeben ist. Doch welche Authentisierungsstrategie greift, wenn die Protagonist*innen eines Dokumentarfilms aus Erinnerungen gestaltet werden? Was, wenn diese Erinnerungen aus dem familiären Kontext in Dokumenten, Fotos und vererbten Gegenständen überliefert werden? In einem Dokumentarfilm über das emotionale Erbe einer Familie erforscht die Arbeit das Verhältnis von authentischer Darstellung und authentischer Bedeutung des Erzählten.

