Frauke Ihnen: Authentische Protagonist*innen, Erzählstrategien im Dokumentarfilm

Das Promotionsprojekt erforscht die Konzepte dokumentarischer Figuren in verschiedenen Dokumentarfilmmodi und fragt danach, wo sich wahrhaftige Repräsentation und narrative Notwendigkeit entgegenstehen.

Projektbeginn:
2022
Projektabschluss:
2028
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Archiv. Fam. Clausen

 

Die Akteure vor der Kamera sind für die Dokumentarfilmpraxis von größter Bedeutung. Mit ihnen steht und fällt das Gelingen des Films. So unterschiedlich wie ihre Bezeichnungen sind ihre Rollen im Dokumentarfilm. Protagonist*innen sind Produkte einer Vielzahl von getroffenen filmpraktischen und narrativen Entscheidungen, angefangen beim Zeitpunkt der Filmaufnahme bis hin zur Anordnung des ausgesuchten Materials in der Montage. Strategien der „Authentisierung" liegen dabei in der Hand der Filmschaffenden. In der Art und Weise, wie Regiepersonen die Protagonist*innen einführen, wie sie durch Bildgestaltung, Montage und raumzeitliche Auswahl konstruiert werden und welche Rolle sie erfüllen sollen, beeinflusst die Erzählinstanz das „Authentischsein“ der Akteure vor der Kamera.

Neben den filmischen Strategien der Filmproduzent*innen ist das bewusste und unbewusste Sich-Darstellen der Protagonist*innen ausschlaggebend für ihre Authentizität. Mimik und Körpersprache, Schweigen oder ausweichende Antworten signalisieren den Zuschauer*innen, ob die Glaubwürdigkeit des Gesagten gegeben ist. Doch welche Authentisierungsstrategie greift, wenn die Protagonist*innen eines Dokumentarfilms aus Erinnerungen gestaltet werden? Was, wenn diese Erinnerungen aus dem familiären Kontext in Dokumenten, Fotos und vererbten Gegenständen überliefert werden? In einem Dokumentarfilm über das emotionale Erbe einer Familie erforscht die Arbeit das Verhältnis von authentischer Darstellung und authentischer Bedeutung des Erzählten.


Zur Person:

Frauke Ihnen studierte Soziologie in Berlin, danach Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der HFF München. Ihre Filme „Stadlfreunde“ und „Für die Dauer eine Reise“ liefen u.a. auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, dem DOK.fest München und im Bayerischen Fernsehen. Sie betreute langjährig als Wissenschaftliche Mitarbeiterin Filme der Studierenden am Lehrstuhl "Innovationen im Journalismus" an der Universität der Bundeswehr in München. Heute lebt und arbeitet sie als Filmemacherin und Lehrbeauftragte in Potsdam.  

www.frauke-ihnen.de

frauke.ihnen@web.de