Die Untersuchung analysiert, wie sich die Filmindustrie Hongkongs im Zeitraum von 2022 bis 2026 in einem zunehmend restriktiven Regulierungsumfeld bewegt. Verortet in kritischen Medienindustrieforschungen, Zensurtheorien und Bourdieus Feldtheorie als analytischer Linse, begreift sie das Hongkonger Kino als politisch aufgeladenes Feld kultureller Produktion, in dem Macht, Handlungsspielräume und Bedeutungen fortlaufend ausgehandelt werden.
Indem Zensur sowohl als repressives als auch als produktives Moment verstanden wird, fragt die Studie danach, wie institutionelle Einschränkungen kreative Agency prägen und wie Bedeutung innerhalb eines Feldes neu konfiguriert wird, das durch sich verschiebende Beziehungen zwischen staatlicher Macht und kulturellen Produzent*innen gekennzeichnet ist. Unter Rückgriff auf Bourdieus Konzepte von Feld, Habitus und Kapital entwickelt die Arbeit eine Neubestimmung medialer Macht in Hongkong und zeigt auf, wie Autonomie, Kapital und Zensur in der Strukturierung des filmischen Feldes ineinandergreifen.
Methodisch verfolgt die Studie ein Mixed-Methods-Design, das Textanalysen, Umfragen sowie Interviews mit Filmschaffenden in kreativen Leitungspositionen sowie technischen Gewerken kombiniert. Ein solcher Ansatz ist in der Hongkong-Filmforschung bislang selten, da diese entweder Filmanalysen oder medienpolitische bzw. regulatorische Forschung fokussiert. Durch die Triangulation unterschiedlicher Methoden entsteht ein umfassenderes Bild davon, wie Zensur als regulierende, kreative und strategische Kraft den gesamten Filmproduktionsprozess durchzieht.
Schließlich untersucht das Projekt, inwiefern westliche theoretische Modelle von Zensur, Feldtheorie und kritischer Medienindustrieforschung an den spezifischen sozio-politischen und kulturellen Kontext des Hongkonger Kinos angepasst oder erweitert werden können und welche neuen Formen filmischer Ausdrucksweisen, Zirkulation und kultureller Erinnerung unter diesen Bedingungen entstehen.

