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Alumni-News

"30 Jahre Wiedervereinigung"

3sat zeigt Andreas Goldsteins Debüt "Adam und Evelyn" als TV-Premiere.

21.09.2020 - Seit dem 05. September und noch bis zum 10. Oktober blickt 3sat in seinem Programm mit über 20 Produktionen auf "30 Jahre Deutsche Einheit". mehr

Am kommenden späten Samstagabend zeigt 3sat "Adam und Evelyn" (D 2018) in der Regie unseres Alumnus' Andreas Goldstein (Regie 1999) als Erstausstrahlung.  Der auf dem gleichnamigen Roman von Ingo Schulze basierende Film ist sein Spielfilmdebüt. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Kamerafrau Jakobine Motz(Kamera 1994).

Erzählt wird die Geschichte eines Paares aus der ostdeutschen Provinz 1989 in den letzten Monaten der DDR. Für Evelyn kam Adam - ein Damenschneider - einer Kundin zu nahe, und es kriselt.  Daraufhin fährt sie kurzentschlossen mit Freunden in den Ungarn-Urlaub, der eigentlich mit Adam geplant war. Doch der reist hinterher, will Evelyn zurück. Es ist der Sommer, in dem die Menschen aus der DDR massenhaft versuchen, über die ungarische Grenze nach Österreich zu kommen. Als Ungarn schließlich die Grenze nach Österreich öffnet, müssen sich Adam und Evelyn entscheiden, ob sie in Ost oder West leben wollen, um glücklich zu werden.

"Andreas Goldstein, den ich schon lange kenne, kam eines Tages mit dem Roman und sagte: 'Lies den mal. Das könnte ein Filmstoff sein!'", erzählt Jakobine Motz im MAZ-Interview. "Der Roman ist sehr filmisch geschrieben, da er mit Auslassungen arbeitet, Raum zwischen den Begebenheiten lässt. Außerdem gibt es diese prägnanten Sätze der Figuren, die dann plötzlich ganz viel auf den Punkt bringen, und einen sehr schönen Humor. Der Roman beschreibt das Ende der DDR jenseits der üblichen Polarisierungen. Eine Perspektive, die uns sehr interessiert hat." mehr

"Warum ich diesen Film gemacht habe, hat viel damit zu tun, wie Geschichte in diesem Land erzählt wird. Ausschließlich als Dramatisierung historischer Stoffe. Hier kommt ja kein Film dieser Art ohne Staatssicherheit aus. Alle Filme über diese Zeit tun so, als sei es eine Erlösung, endlich in dieser Gegenwart angekommen zu sein.", so Andreas Goldstein. "Das geradezu Unheimliche ist, dass vollkommen verdrängt und vergessen ist, dass die Hoffnung der Leute - selbst der Antikommunisten in der DDR - nicht die Gesellschaft der Gegenwart war."

"Andreas Goldsteins Herangehensweise erinnert teilweise an die Werke der Berliner Schule: Sorgsam komponierte und wundervoll inszenierte Einstellungen ohne allzu viel Kamerabewegung sowie ein ganz eigener Rhythmus lassen die Hitze und Trägheit des Sommers sinnlich erlebbar werden. Dazu das ebenso distanzierte wie differenzierte Spiel der Schauspieler, deren nur scheinbar einfache Dialogzeilen - wie überhaupt der ganze Film - voller Andeutungen und Subtexten stecken, die sich vor allem (aber nicht nur) jenen Zuschauern erschließen dürfte, die die beschriebene Zeit und die DDR selbst erfahren haben. Selten gelang die Vermischung und Verknüpfung des Privaten und des Politischen so punktgenau wie hier, selten spürte man die klischeefreie Schilderung der unterschiedlichen 'Betriebstemperatur' zwischen Ost und West so augenfällig wie in den vielen kleinen Szenen, die die Film immer wieder meisterlich auffächert.", so die Jury der Filmbewertungsstelle Wiesbaden, die ein besonders wertvoll vergab. "Anders als andere Filme über die DDR verlässt sich 'Adam und Evelyn' nicht (allein) auf die Ausstattung und Retro-Chic, sondern schafft das Kunstwerk, sich vor allem über Atmosphäre und die fein ziselierten Dialoge zu transportieren."

"Adam und Evelyn" wurde im Sommer 2018 auf den 75. Internationale Filmfestspielen von Venedig in der Settimana Internazionale della Critica – SIC uraufgeführt. Kinostart war im Januar 2019.

3sat-Pressetreff: Acht Fragen an Andreas Goldstein und Co-Autorin und Kamerafrau Jakobine Motz hier

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Kritik

Patrick Wellinski, Eine pastellene DDR, DLF Kultur