Der Körper, der sich erinnert – Bewegung als Archiv biopolitischer Kontrolle ist ein künstlerisches Forschungsprojekt, das untersucht, wie staatliche Macht sich in individuelle Körper einschreibt und wie diese Einschreibungen durch Bewegung sichtbar, lesbar und verhandelbar gemacht werden können.
Ausgangspunkt der Forschung ist die Frage, wie biopolitische Kontrolle – insbesondere im Kontext reproduktiver Politik – nicht nur durch Gesetze und Institutionen wirkt, sondern sich als verinnerlichte Norm, als Haltung, Geste und Körpergedächtnis fortsetzt. Anstatt diese Prozesse ausschließlich diskursiv zu analysieren, nähert sich das Projekt ihnen über eine körperbasierte, performative Praxis.
Im Zentrum steht die Entwicklung eines Movement Scores, der Formen von Disziplinierung, Anpassung und Widerstand in Bewegung übersetzt. Inspiriert von Talchum, einer koreanischen Maskentanztradition, die historisch Machtverhältnisse durch Überzeichnung und körperliche Satire sichtbar machte, wird Bewegung hier als Archiv verstanden: als Ort, an dem soziale und politische Gewalt gespeichert, aber auch transformiert werden kann.
Während einer vierwöchigen künstlerischen Forschungsphase entstehen in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Performer:innen choreografische Sequenzen, die drei Ebenen körperlicher Erfahrung untersuchen: eingeschriebene Kontrolle, Störung und Entgiftung sowie kollektive Körpererzählungen. Die Forschung basiert auf Bewegungsanalysen, improvisatorischen Settings und prozessbegleitender audiovisueller Dokumentation.
Das Projekt ist als erste Phase eines einjährigen Forschungs- und Entwicklungsprozesses angelegt. Die entwickelten Bewegungsfragmente bilden die performative und ästhetische Grundlage für den dokumentarisch-performativen Masterabschlussfilm The State of Birth. Ziel ist es, biopolitische Strukturen nicht nur zu benennen, sondern sie durch den Körper erfahrbar zu machen und neue Formen von Wahrnehmung und Widerstand zu eröffnen.
Projektleitung: Yewon Seo
Yewon Seo ist Dokumentarfilmerin und Regisseurin. Ihre Arbeit verbindet dokumentarische Recherche mit performativen und körperbasierten Ansätzen und thematisiert Biopolitik, Erinnerung und Macht.
Kontakt:
Yewon Seo
Regie Dokumentarfilm (MA)

